Montalcino im Sonnenuntergang

2007 Brunello di Montalcino: „sexy“ und „lecker“, aber nicht von Dauer

Seit Anfang des Jahres ist der Brunello di Montal­cino des Jahr­gangs 2007 zum Verkauf frei­ge­geben. Die Italiener feiern den 2007er als großen Jahr­gang. Jens Priewe hat 67 Brunellos verkostet und ist von ihnen ebenso berauscht wie ernüch­tert: mangelnde Frische, über­reife Frucht, Alko­hol­über­hang, geringes Alte­rungs­po­ten­zial. Aber er gibt zu: durchaus „lecker“.

Seit Anfang des Jahres ist der Brunello di Montal­cino des Jahr­gangs 2007 zum Verkauf frei­ge­geben. Die Italiener feiern den 2007er als großen Jahr­gang. Jens Priewe hat 67 Brunellos verkostet und ist von ihnen ebenso berauscht wie ernüch­tert: mangelnde Frische, über­reife Frucht, Alko­hol­über­hang, geringes Alte­rungs­po­ten­zial. Aber er gibt zu: durchaus „lecker“. 


Die Degus­ta­ti­ons­no­tizen finde Sie auf Seite 3


Montalcino im SonnenuntergangAls die Trauben vor fünf Jahren einge­bracht wurden, war der Jubel groß: voll­reifes Lesegut, gesunde Trauben, über­durch­schnitt­liche Menge. Mit fünf von fünf Sternen haben die Experten dem Jahr­gang einige Monate später die höchst mögliche Wertung gegeben. Eine entspre­chende Kachel wurde am Uhren­turm des Palazzo Civico im Zentrum von Montal­cino ange­bracht. Seitdem kann jeder Einwohner und jeder Tourist sich von der Güte des Jahr­gangs über­zeugen – der vermu­teten Güte.

Doch schon damals dämmerte einigen Produ­zenten, dass die Bewer­tung des Jahr­gangs 2007 wohl ein wenig zu eupho­risch ausge­fallen sei. Denn Montal­cino ist kein homo­genes Anbau­ge­biet. Es gibt kühlere und wärmere Ecken. In den kühlen Jahren kommt der beste Brunello logi­scher­weise aus den warmen Südwest­lagen, in den wärmeren Jahren aus den kühlen Nord­ost­lagen. Und 2007 war ein warmes Jahr. Viele Trauben waren, als sie gelesen wurden, durch die Hitze im Zustand der Über­reife. Durch die Trocken­heit im Juli hatte sich der Saft konzen­triert. Die Zucker­ge­halte schnellten in die Höhe.

Die Amerikaner sagen „sexy“, die Deutschen „lecker“

Kachel am Uhrenturm des Palazzo Civico im Zentrum von MontalcinoUnd so schme­cken viele Weine heute denn auch: Sie weisen Noten von Trocken­früchten statt von frischen Früchten auf, schme­cken kompottig, haben einen spür­baren Alko­hol­über­hang, sind leicht likör­fruchtig. Im jungen Stadium, also jetzt, besitzen sie noch Biss und Frische. Die Likör­noten lauern nur im Hinter­grund. Es domi­niert die Süße der Frucht. Daher sind die Kommen­tare jener Kritiker, die einen Wein nach dem Ist-Zustand bewerten, bisher meist positiv ausge­fallen. Verständ­lich: Denn die Weine sind, so bei der Vini­fi­zie­rung keine größeren Fehler gemacht wurden, durchaus attraktiv. Sie sind zugäng­lich, duftig und gleich­zeitig voll­mundig. „Sexy“ sagen die Ameri­kaner. Die Deut­schen sagen „lecker“.

Ich habe 67 Brunellos des Jahr­gangs 2007 Mitte Februar in Montal­cino verkostet – offen, nicht blind. Ein hartes Stück Arbeit! Die Weine einiger renom­mierter Güter wie Biondi-Santi, Case Basse, Pieve Resti­tuta, Pian dell’Orino, Sali­cutti, Alte­sino waren nicht verfügbar. Dafür habe ich noch rund 30 Brunello di Montal­cino Riserve des Jahr­gangs 2006 probiert, die jetzt – ein Jahr später als die Basis­weine – in den Verkauf kommen. Darüber mehr in den nächsten Wochen auf weinkenner.de. Und ich habe auch ein wenig 2010 Rosso di Montal­cino probiert, den zweiten Wein, der eben­falls rein­sortig aus Sangiovese-Trauben gewonnen, nur schon nach einem Jahr frei­ge­geben wird. Ihn kann ich wärms­tens zum Kauf empfehlen. Denn im Gegen­satz zum 2007er hat der Jahr­gang 2010 die fünf Sterne, die die Kachel am Uhren­turm von Montal­cino zieren, ehrlich verdient. 

3 Antworten zu „2007 Brunello di Montalcino: „sexy“ und „lecker“, aber nicht von Dauer“

  1. Schöner Wein!

  2. der bei Aldi Süd ange­bo­tene Brunello die Montal­cino schmeckt äußerst dürftig, wer hat ähnliche Erfah­rungen?
    ich hatte zunächst eine Flasche probiert, welche schmeckte… und danach für Freunde und Bekannte ne größere Menge einge­kauft – zum Verschenken.
    Über­ra­schung: Geschmacks­proben waren dann aller­dings äußerst dürftig…
    .

  3. Vadim Donchin sagt:

    Brunello von ALDI, klingt wie Mercedes aus China. Meine Empfeh­lung keine Weine von ALDI kaufen.

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