Collage Laurent Charvin und Philippe Bravay

Zwei stille Könige des Châteauneuf-du-Pape

Laurent Charvin und Phil­ippe Bravay – zwei befreun­dete Winzer, die für das noch nicht vom Geld verdor­bene und nach Ruhm gierende Châteauneuf-du-Pape stehen. Obwohl ihre Weine ganz oben auf den Hitlisten der inter­na­tio­nalen Wein­kri­tiker stehen, haben sie ihre Boden­stän­dig­keit bewahrt. Stefan Krimm hat sie besucht.

Laurent Charvin und Phil­ippe Bravay – zwei befreun­dete Winzer, die für das noch nicht vom Geld verdor­bene und nach Ruhm gierende Châteauneuf-du-Pape stehen. Obwohl ihre Weine ganz oben auf den Hitlisten der inter­na­tio­nalen Wein­kri­tiker stehen, haben sie ihre Boden­stän­dig­keit bewahrt. Stefan Krimm hat sie besucht.

Das Schlimmste ist, wenn man zu Laurent Charvin sagt, er mache einen guten Wein. „Ich bin kein Wein­ma­cher“, giftet er dann zurück. „Wein­ma­cher sind Leute, die meinen, dass ein guter Wein in erster Linie im Keller entsteht. Sie glauben an die Technik und an die Fähig­keit, die Methoden, die sie bereit­stellt, wie ein Koch oder ein Mecha­niker anzu­wenden. So bin ich nicht, und Wein funk­tio­niert auch nicht so.“

Eigent­lich ist Gesprä­chig­keit kein hervor­ste­chendes Merkmal des 42jährigen Winzers im Nord­westen von Châteauneuf-du-Pape mit angren­zenden Côtes-du-Rhône-Lagen. Er schaut sich denn auch kurz um, so als wolle er prüfen, ob das Gesagte auch stimmt – und schweigt dann wieder. Aber nur kurz. Denn es fehlt noch der zweite Teil seiner Botschaft: „Wein entsteht im Wein­berg. Im Keller kann man ihn nicht verbes­sern, höchs­tens verschlech­tern. Mein Ziel ist es, das Poten­zial der Trauben, das ihnen Boden, Wetter, Rebsorten und Wein­bergs­ar­beit mitgeben, so genau und authen­tisch heraus­zu­ar­beiten wie möglich.“

Fast die glei­chen Worte höre ich eine Stunde später von Phil­ippe Bravay, 43, Besitzer der Domaine de Ferrand, die nur einen Kilo­meter von der Domaine Charvin seines Freundes Laurent entfernt liegt. Auch er besteht darauf, dass in aller­erster Linie der Wein­berg spre­chen muss, wenn es um Qualität geht, nicht die Keller­technik. Aller­dings giftet er nicht, sondern trägt seine Botschaft eher mit entwaff­nender Freund­lich­keit vor.

Wenn man sich heute in Châteauneuf-du-Pape nach Aufstei­gern in die Spit­zen­gruppe der Renom­mier­güter wie Rayas, Beau­ca­stel, Clos des Papes und Marcoux umhört, werden die Domaine Charvin und die Domaine de Ferrand, wie das Weingut von Phil­ippe Bravay offi­ziell heißt, immer häufiger genannt – zusammen mit Jean-Paul Daumen von der Domaine de la Vieille Juli­enne. Und wenn man die Bewer­tungen der Jahr­gänge seit 1998 Revue passieren lässt, wird schnell klar, dass sie in den letzten Jahren ganz oben ange­kommen sind. Der 2007er Châteauneuf-du-Pape von Charvin wurde vom ameri­ka­ni­schen Wine Spec­tator mit 95 Punkten, Bravays 2007er von Parker sogar mit 98+ bedacht.

Beide, Charvin und Bravay, sind sehr tradi­tio­nelle und äußerst boden­stän­dige Winzer. Neue Erkennt­nisse der önolo­gi­schen Forschung prallen an ihnen ab. Sie verlassen sich auf ihr Erfah­rungs­wissen. Die Öffent­lich­keit meiden sie tunlichst. Bravay hat noch nicht einmal eine Website, die von Charvin ist völlig veraltet. Und beider Domaines sind völlig unspek­ta­kulär und eher klein­bäu­er­li­chen Zuschnitts. Wer sie finden will, muss genau hinschauen. Immerhin hat Bravay inzwi­schen ein kleines weißes Holz­schild aufge­stellt, das zur Domaine Bravy führt. Vorher stand der Name nur auf einen Stein am Stra­ßen­rand, kaum sichtbar mit roter Farbe gepin­selt.

Auch ihre Preis­po­litik ist äußerst konser­vativ. Beide erzeugen nur klas­si­schen Châteauneuf-du-Pape, keine Sonder­cu­vées, keine Selek­tionen Alter Reben, keine Lagen­weine. Entspre­chend moderat sind ihre Preise. Mit den auf schnellen Ruhm bedachten Wein­gü­tern des Anbau­ge­biets verbindet sie nichts. Deren saftige Preis­er­hö­hungen haben Charvin und Bravay nicht mitge­macht. Besuche zwecks Wein­ein­kaufs lohnen sich dennoch nicht. Beider Produk­tion ist lange vor der Frei­gabe der Weine ausver­kauft.

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