Degustation Bordeaux

Tagebuch der lustvollen Qualen (1): Ulrich Sautter in Bordeaux

In Bordeaux tummeln sich derzeit über 3000 Menschen, die den neuen 2010er Jahr­gang probieren möchten: Händler, Gastro­nomen, Jour­na­listen aus aller Welt. Ulrich Sautter ist einer von ihnen. Am Sonntag, dem ersten Tag des Degus­ta­ti­ons­ma­ra­thons, hat er bereits weit über 100 Rotweine probiert, darunter viele Alkohol- und Tannin­bomben. Wein genießen konnte er erst abends vor dem Kamin, mit Enten­brust und in ange­nehmer Gesell­schaft.

In Bordeaux tummeln sich derzeit über 3000 Menschen, die den neuen 2010er Jahr­gang probieren möchten: Händler, Gastro­nomen, Jour­na­listen aus aller Welt. Ulrich Sautter ist einer von ihnen. Am Sonntag, dem ersten Tag des Degus­ta­ti­ons­ma­ra­thons, hat er bereits weit über 100 Rotweine probiert, darunter viele Alkohol- und Tannin­bomben. Wein genießen konnte er erst abends vor dem Kamin, mit Enten­brust und in ange­nehmer Gesell­schaft.

Bordeaux 2010 - Die VerkostungSamstag Abend bin ich in St-Émilion zum Diner ins Hotel-Restaurant Château Grand Barrail einge­laden, zusammen mit Winzern des Cercle Rive Droite sowie Mitglie­dern der Grand Jury Euro­péen (Gruppe von Top-Weinjournalisten aller euro­päi­schen Länder). Es ist ein Abend mit ange­regten Gesprä­chen. Ein „großer“ Jahr­gang – so die vorherr­schende Meinung.

Dieses Urteil steht dann am Sonntag ab 9 Uhr morgens auf dem Prüf­stand. Auf Château Barde-Haut, wenige Kilo­meter außer­halb St-Émilions, präsen­tiert der Cercle Rive Droite seine 2010er exklusiv für die Presse. Der Cercle Rive Droite ist ein Zusam­men­schluss von Wein­gü­tern vom rechten Ufer Bordeaux‘ (also St-Émilion, Pomerol und Satelliten-Appellationen). Meist sind dies Châteaux, die nicht ganz in vorderster Linie stehen – mit dem will­kom­menen Neben­ef­fekt, dass man hier viele Schnäpp­chen finden kann. Die meisten der präsen­tierten Weine kosten in der Subskrip­tion weniger als 20 Euro.

BlindprobeDie Sache hat nur einen Haken: Die Verei­ni­gung hat ziem­lich viele Mitglieder. Und so habe ich die letzten Jahre immer den ganzen Tag für die Verkos­tung benö­tigt, also von 9 bis 19 Uhr. Mal waren es 100, mal 115 Weine, die ich über die Zunge laufen lassen musste, und nicht nur edle Tropfen sind darunter, sondern auch viele einfache Bordeaux AC und Bordeaux supé­rieur, viele namen­lose Weine aus den Côtes de Bordeaux, aus Fronsac und Canon-Fronsac.

Ein Blick auf die Proben­liste zeigt, dass dieses Jahr insge­samt 158 Weine vorge­stellt werden. Das ist nicht zu schaffen, denn das Verkos­tungs­tempo lässt sich nicht beliebig stei­gern. Auch bin ich es gewöhnt, nach jeweils zwanzig Weinen eine Vier­tel­stunde Pause einzu­legen. Auf diese Pausen zu verzichten, wäre nur ein schein­barer Zeit­ge­winn: Die Konzen­tra­tion ließe schneller nach, und man schafft am Ende noch weniger Weine.

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