Premiere in der Oper: Vorhang auf für Château d’Yquem

Am Sonntag beginnt das größte Wein­spek­takel des Jahres: die Vorstel­lung des neuen Jahr­gangs in Bordeaux. Doch wenn Händler, Kritiker, Jour­na­listen Montag­abend müde zurück in ihre Hotels schlei­chen, wartet auf einige noch eine Fass­probe des berühmten Süßweins von Château d’Yquem. Sie wird in der Oper von Bordeaux gereicht. Ulrich Sautter gehört zu den Auser­wählten.

Am Sonntag beginnt das größte Wein­spek­takel des Jahres: die Vorstel­lung des neuen Jahr­gangs in Bordeaux. Doch wenn Händler, Kritiker, Jour­na­listen Montag­abend müde zurück in ihre Hotels schlei­chen, wartet auf einige noch eine Fass­probe des berühmten Süßweins von Château d’Yquem. Sie wird in der Oper von Bordeaux gereicht. Ulrich Sautter gehört zu den Auser­wählten.

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02.04.2011 – Im Vorjahr mietete Château d’Yquem zum ersten Mal die Oper von Bordeaux, um seinen neuen Jahr­gang der Öffent­lich­keit vorzu­stellen. 2011 wählt das Château nun zum zweiten Mal diese unge­wöhn­liche Form der Präsen­ta­tion. Die Botschaft ist klar: Dieser ruhm­reiche Wein verdient eine große Bühne.

Entspre­chend durch­dacht ist die Regie. Die Türen öffnen sich um 17 Uhr, und der Einlass dauert bis 21 Uhr. Für viele gestresste Bordeaux-Verkoster ist dies der letzte Termin des Tages, vor allem nach 19 Uhr füllt sich das Gebäude. Schon am Empfang geleiten einen Hostessen zur Garde­robe, damit man sich – wie bei einer normalen Auffüh­rung – seiner Stra­ßen­klei­dung entle­digen kann. Danach wird man um die Einla­dungs­karte gebeten und bekommt Zugang zum Gebäude. Im ersten Stock des Opern­hauses erwarten einen schließ­lich die livrierten Bediens­teten des Château, aller­dings nicht im großen Auffüh­rungs­saal. Ort des Spek­ta­kels ist viel­mehr die Pausen­lobby.

An mehreren Ausschank-Stationen bekommen die Einge­la­denen nun die Fass­probe des neuen Jahr­gangs zu verkosten. Service­kräfte eilen mit kleinen Schnitt­chen herbei, um den noblen Sauternes mit kleinen, pikant gewürzten Portionen Gänsestopf­leber ins beste Licht zu rücken. Neben dem jüngsten Jahr­gang steht auch ein zweiter, reiferer Wein zur Verfü­gung – letztes Jahr wurde neben dem 2009er der 1989er ausge­schenkt.

Zu dieser späten Stunde kommt die Gele­gen­heit recht, um nach dem diszi­pli­nierten Ausspu­cken der 50 bis 80 Rotweine, die man während des Tages probiert, nun endlich mal ein Glas zu trinken: ein Château d’Yquem wird nicht gespuckt. Derweil eilt Pierre Lurton, Direktor auf d’Yquem, von Gast zu Gast, schüt­telt Hände und spricht verbind­liche Worte.

Dass über dem Spek­takel der Wein selbst ein wenig in den Hinter­grund tritt, ist wahr­schein­lich Teil der Regie. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Luxus­gü­ter­kon­zern LVMH, in dessen Besitz sich Château d’Yquem befindet, mit der Preis­ent­wick­lung dieses Weins unzu­frieden ist. Während die Tarife für roten Bordeaux in den letzten Jahren explo­diert sind, treten die Preise für Sauternes auf der Stelle (Jahr­gang 2006: gut 600 Euro pro Flasche). In dieser Situa­tion möchte man mit noch mehr Glamour und ein wenig Thea­ter­donner die Märkte für sich gewinnen – nicht zuletzt die neuen Bordeaux-Märkte in Asien.

Ob diese Marketing-Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Übli­cher­weise sieht auch die Kritik umso schärfer hin, je größer die Bühne ist. Mir selbst sind die Primeur­proben bei Yquems bedeu­tendstem Rivalen Climens weitaus lieber. Béré­nice Lurton, die deli­kater Weise zur selben Groß­fa­milie gehört wie der Direktor von Château d’Yquem, hält es für unse­riös, bereits im April nach der Lese eine Assem­blage vorzu­stellen. Statt­dessen lädt sie in den Keller, um alle Kelte­rungen einzeln vom Fass zu probieren – weniger gelun­gene Partien inklu­sive. Es gibt keine Häpp­chen und keine Glacée­hand­schuhe, dafür aber genaue Schil­de­rungen darüber, wann die Trauben in welchem Zustand gelesen wurden, und in welchen Fässern der Wein welcher Kelte­rung lagert.

Zum Glück gibt es auch noch das authen­ti­sche Bordeaux – und dieses kommt ganz ohne Schau­spiel aus.

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