Parker-Punkte

Parker unter Spanien-Verdacht: überbewertete Weine im Discounter

Seit Jahren wundern sich Fach­leute über die hohen Beno­tungen, die mittel­mä­ßige spani­sche Weine bei Robert Parker erhalten. Nun gibt es Hinweise, dass Mitar­beiter des ameri­ka­ni­schen Wein­kri­ti­kers hohe Summen für einen Besuch im Wein­an­bau­ge­biet gefor­dert haben. Die Ermitt­lungen laufen noch. Mehrere deut­sche Discounter werben unver­drossen mit dem Unmög­li­chen: 91 Punkte-Weine für 6,99 Euro.

Seit Jahren wundern sich Fach­leute über die hohen Beno­tungen, die mittel­mä­ßige spani­sche Weine bei Robert Parker erhalten. Nun gibt es Hinweise, dass Mitar­beiter des ameri­ka­ni­schen Wein­kri­ti­kers hohe Summen für einen Besuch im Wein­an­bau­ge­biet gefor­dert haben. Die Ermitt­lungen laufen noch. Mehrere deut­sche Discounter werben unver­drossen mit dem Unmög­li­chen: 91 Punkte-Weine für 6,99 Euro.

Parker-PunkteDas Wein-Angebot, das Aldi Süd am 12. Dezember 2011 inse­riert hatte, war nach Recher­chen der Fach­zeit­schrift „Wein­wirt­schaft“ schon nach wenigen Tagen in den meisten Filialen ausver­kauft: der 2010 Azumbre Verdejo, ein blass­gelber Weiß­wein aus der spani­schen DO Rueda.

Ursache für den schnellen Abver­kauf war nicht allein der nied­rige Preis von 4,99 Euro, sondern die Tatsache, dass der Wein im Wine Advo­cate, dem News­letter des ameri­ka­ni­schen Kriti­kers Robert Parker, 90 (von maximal 100) Punkten erhalten hatte – ein unglaub­li­ches Schnäpp­chen also.

„Weinwirtschaft“ gesteht 90-Parker-Punkte-Weine maximal 79 Punkte zu

90 Punkte – das bedeutet in der Nomen­klatur dieses welt­weit meist zitierten News­let­ters „outstandig“. Dieses Prädikat hat Parker reser­viert für „Weine von außer­ge­wöhn­li­cher Komple­xität und Charakter. Kurz: tolle Weine.“

„Weinwirtschaft“-Chefredakteur Hermann Pilz hat den Azumbre Verdeja probiert. Er schreibt: „Ein mittel­präch­tiger Wein, der mit 78 bis 79 Punkten gut bedient ist. Schon ein biss­chen müde, alt und vor allem mit Säure aufge­peppt, nahezu aggressiv. Da waren Önologen dran, die aus schwa­chem Mate­rial noch das Beste heraus­ge­holt haben. Aber 90 Punkte? …Nie und nimmer… Für 4,99 Euro gibt es Besseres, viel Besseres …“

Wahr­schein­lich hat Parker diesen Wein und die anderen spani­schen Weine, die in seinem News­letter bespro­chen und bewertet wurden, persön­lich nie probiert. Das liegt daran, dass er einen eigenen Verkoster für Spanien hat: Dr. Jay Miller. Von Beruf Kinder- und Fami­li­en­the­ra­peut, entdeckte dieser irgend­wann sein Faible für Wein, wech­selte in den Wein­handel und heuerte 1985 bei Parker an.

„Pancho Campo“ fordert 20.000 Euro

Francisco Armando Campo Carrasco, genannt "Pancho Campo"Da Miller, der wie Parker in Balti­more lebt, kein Spanisch spricht und kein beson­deres Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lent ist, gab Parker ihm 2010 einen Mitar­beiter zur Seite. Dieser Mitar­beiter, ein gebür­tiger Chilene namens Fran­cisco Armando Campo Carrasco, lebt seit langem in Spanien, hat dort das Master-of-Wine-Diplom erworben und ist ein überaus smarter, quir­liger Geschäfts­mann. Er ist in der spani­schen Wein­welt bestens vernetzt und wird dort nur „Pancho Campo“ genannt wird. Er soll dafür gesorgt haben, dass Millers Besuche in Spanien mit Tages­sätzen von 15.000 bis 20.000 Euro hono­riert wurden.

Entspre­chende Gerüchte kursierten schon seit geraumer Zeit. Aufge­deckt wurden die Machen­schaften aber erst im November 2011 von dem engli­schen Blogger Jim Budd, der als Experte für die Weine der Loire gilt, sich aber gleich­zeitig einen Namen als Under­cover-Jour­na­list für dubiose Weininvestment-Firmen gemacht hat (www.investdrinks.org). Anlass war die Ankün­di­gung von Miller, sich aus dem Enga­ge­ment bei Parkers Wine Advo­cate zurück­zu­ziehen.

4 Antworten zu „Parker unter Spanien-Verdacht: überbewertete Weine im Discounter“

  1. Parker did not make himself a favor to give support to Jay Miller, as done on his last announ­ce­ment letter. If Miller accepted money from Pancho then he need to be put in front of a judge! Watching the 2009 Bordeaux retas­ting in HK on http://www.winefuture.hk one come quickly to the conclu­sion that Pancho Sancho must have been still drunk form the night before or is a complete idiot. A little bit of Menschen­kenntnis should have told Mr Parker to stay away from this guy. He did even make many mistakes in the booklet for the tasting. Excuse ‚was fuer ein Arsch‘, or maybe he does not care to much as he caters to Asians that do not have any clue anyway as he might think. My advice to RP is stay away from Pancho. And one can only hope that someone files charges against Pancho. Meanw­hile I recom­mend to read the reviews of the second 2009 tasting by Neal Martin who likes the terroir based wine most. There are only a few high­lights on the left bank. They are much too expen­sive compared to 2008, 2006 and 2204. So look for older bargains! V Braun/BKK

  2. O. Kotschate sagt:

    Der Saxa Loquuntur Uno 2009 ist m. E. über jeden Zweifel erhaben und entspricht mindes­tens der hohen Parker-Bewertung. Vor einigen Wochen habe ich mich selbst davon über­zeugen können. Zum Preis von zur Zeit € 5,99 ein wahres Schnäpp­chen und sicher einer der besten Super­markt­weine. Der Uno betä­tigt damit die hohe Qualität des Saxa Loquuntur Tres 2005, den ich im Jahr 2010 sehr genossen habe.

    • Saxa Loquun­tur Tres 2010 ist dagegen ein einfach Wein der keine 80 Punkte wert ist, typisch Lidel eben. Ich habe bisher bei Lidel noch nicht bekommen, das den Preis wert war. 90 Parker Punkte für so einen Wein wären ein Witz. dem 2010 würde ich 76 Punkte gegben, alles unter 85 Punkte ist es nicht wert zu trinken.

  3. […] mit den Parker-Punkten ist das so eine Sache. Da wird viel Marke­ting und Augen­wi­scherei betrieben. Der vom Parker­team verkos­tete Wein muss schließ­lich nicht immer exakt jener sein, der […]

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