Michael Grimm

Michael Grimm über Bordeaux-Preise

Michael Grimm, Inhaber der Bacchus Vino­thek in Rott­weil im Schwarz­wald, besitzt eines der größten Bordeaux-Sortimente in Deutsch­land. Weinkenner.de fragte ihn, ob Bordeaux­weine seiner Meinung nach zu teuer geworden sein. Seine Antwort: Ein ganz klares Nein.

Michael Grimm, Inhaber der Bacchus Vino­thek in Rott­weil im Schwarz­wald, besitzt eines der größten Bordeaux-Sortimente in Deutsch­land. Weinkenner.de fragte ihn, ob Bordeaux­weine seiner Meinung nach zu teuer geworden sein. Seine Antwort: Ein ganz klares Nein.

Michael Grimm„Als Wein­lieb­haber schmerzen auch mich die hohen Preise der Premier Crus, mancher Super Seconds, Pome­rols und St. Emilions. Diese Weine sind unbe­zahlbar geworden, weil sie plötz­lich Status­sym­bole und Speku­la­ti­ons­ob­jekt für wenige Reiche geworden sind. Aber muss man immer weiße Trüf­feln für 4000 Euro das Kilo essen? Schme­cken nicht auch Pfif­fer­ling und Stein­pilze? Muss man immer Maybach oder Bugatti fahren? IWC, Glas­hütte und andere Nobel-Chronometer am Hand­ge­lenk tragen? Eigent­lich nicht.

So ist es auch mit den Premiers Crus. Alle, die gerne Wein trinken, hätten sie gern (im Glas oder im Keller). Aber Latour und Lafite lassen sich nicht beliebig vermehren. Die Mengen werden durch die immer stren­gere Selek­tion eher noch geringer. Angebot und Nach­frage regeln den Preis – mit drama­ti­schen Folgen tradi­tio­nelle Bordeaux­trinker. Bordeaux ist teuer geworden. Zu teuer?

Die Frage muss gestellt werden, über welchen Prozent­satz der Gesamt­pro­duk­tion wir spre­chen? Im Borde­lais werden auf über 100 000 Hektar Rebfläche knapp sechs Millionen Hekto­liter Wein erzeugt. Die fünf Premier Crus erzeugen zusammen rund 8500 Hekto­liter. Das sind 0,14 Prozent der Gesamt­pro­duk­tion.

Und was ist mit dem großen Rest? Ist nichts dabei, das sich lohnt entkorkt zu werden? Ich bin der Meinung, dass man in Bordeaux auch für kleine Beträge einen groß­ar­tigen Wein finden kann. Bordeaux ist in Bezug auf Preis-Genuss immer noch die Nummer Eins in Europa.

Natür­lich bieten wir auch Premier Crus an. Aber der Reiz und Spaß liegt für uns liegt darin, im Preis­be­reich von 10, 20 oder 40 Euro Weine zu finden, die zu kaufen sich lohnt. Und ich versi­chere: Noch nie war Wein­qua­lität in Bordeaux unter 20 Euro so groß­artig wie heute. Die Fülle des Ange­bots sprengt jedes Wein­lager und jeden Wein­ka­talog.

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