Es muss nicht immer Ries­ling sein. In zahl­rei­chen Anbau­ge­bie­ten Deutsch­lands gehö­ren auch Weiß- und Grau­bur­gun­der zum fes­ten Rebsorten-Inventar. Und sie erge­ben vie­ler­orts Qua­li­tä­ten, wie sie anderswo in Europa nicht anzu­tref­fen sind: kraft­voll und gleich­zei­tig säu­re­be­tont. Ulrich Saut­ter hat einige der bes­ten Gro­ßen Gewächse des Jahr­gangs 2009 pro­biert und bewertet.

Etikett Bercher GG FeuerbergDer Graue Bur­gun­der wächst in Rhein­hes­sen, in der Pfalz, in Fran­ken, an Nahe und Hes­si­scher Berg­straße sowie in Sach­sen. Aber nir­gendwo ist er so zu Hause wie in Baden, dem wärms­ten Anbau­ge­biet Deutsch­lands. Dort hat er vor 30 Jah­ren Kar­riere gemacht, lei­der unrühm­lich: als fet­ter, gold­gel­ber Rulän­der, meis­tens mit Rest­süße abge­run­det. Bis heute ist die­ser Wein­typ nicht völ­lig ver­schwun­den. Aber die Elite der badi­schen Win­zer hat mit ihren säu­re­be­ton­ten, gleich­zei­tig stof­fi­gen und nicht sel­ten im klei­nen Holz­fass aus­ge­bau­ten Grau­bur­gun­dern die Mess­latte für die­sen Wein hoch gelegt. Was die drei Grauburgunder-Spezialisten vom Kai­ser­stuhl, Sal­wey, Ber­cher und Heger aus die­ser Sorte machen, muss die Her­zen der Wein­freunde höher schla­gen las­sen – ganz beson­ders in 2009.

Glei­ches gilt für die Weiß­bur­gun­der. Dass sie im größ­ten Teil Badens bes­sere Qua­li­tä­ten brin­gen als der Ries­ling, wis­sen nicht nur die Bade­ner selbst, son­dern inzwi­schen auch zahl­rei­che Wein­lieb­ha­ber in ganz Deutsch­land. Und das Schöne ist: Die Preise für diese Spit­zen­weine sind noch nicht ganz so abge­ho­ben wie bei­spiels­weise in der Pfalz. Kräf­tige, gleich­zei­tig ner­vige Weiß­bur­gun­der der Spit­zen­klasse für 18 Euro oder weni­ger – wo gibt es das noch außer in Baden?

Etikett Salwey GG Glottertäler Eichberg 2009 vorneSicher, es gibt am Kai­ser­stuhl auch nahezu dop­pelt so teure Weiß- und Grau­bur­gun­der. Die Frage, ob sie immer hal­ten, was der Preis ver­heißt, kön­nen wir hier nicht beant­wor­ten. Meh­rere Spit­zen­pro­du­zen­ten sind den VDP-Verkostungen fern geblie­ben. Und ganz neben­bei: Es gibt auch außer­halb des Ver­ban­des Deut­scher Prä­di­kats­wein­win­zer beein­dru­ckende Exem­plare aus die­sen Reb­sor­ten. Ihr ein­zi­ger Nach­teil gegen­über den Gro­ßen Gewäch­sen ist, dass sie sich nicht so nen­nen dürfen.

Übri­gens fin­det auch in der Pfalz, wer sucht, durch­aus preis­wür­dige Weiß­bur­gun­der, wie unser Ver­kos­tungs­ta­bleau zeigt. Und was heißt Preis? Selbst wenn sich ein Spit­zen­win­zer die letz­ten zehn Pro­zent Qua­li­tät, die er aus den Reben her­aus­kit­zelt, hoch bezah­len lässt, so soll­ten wir Wein­trin­ker zwei­er­lei nicht ver­ges­sen: 2009 war ein außer­ge­wöhn­lich guter Jahr­gang. Und: Große Weiß­weine sind – im Gegen­teil zu Rot­wei­nen – in der Welt rar.

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