Gault Millau WeinGuide Deutschland 2012

Gault Millau WeinGuide: Ist deutscher Wein wirklich so langweilig?

Letzte Woche wurde der neue Gault Millau Wein­Guide 2012 vorge­stellt. Die einzigen Über­ra­schungen waren der Winzer des Jahres und ein promi­nenter Absteiger. Der Tunnel­blick der Tester ist auf die bekannten Topweine und Topwinzer gerichtet. Wo es in Deutsch­land gärt und wo es span­nend wird, verraten die Tester den Lesern nicht.

Letzte Woche wurde der neue Gault Millau Wein­Guide 2012 vorge­stellt. Die einzigen Über­ra­schungen waren der Winzer des Jahres und ein promi­nenter Absteiger. Der Tunnel­blick der Tester ist auf die bekannten Topweine und Topwinzer gerichtet. Wo es in Deutsch­land gärt und wo es span­nend wird, verraten die Tester den Lesern nicht.

Insge­samt wird der Jahr­gang 2010 vom Gault Millau korrekt einge­stuft. „In der Spitze eine Fülle von edel­süßen Ries­lingen, die ihres­glei­chen suchen“, schreibt Heraus­geber Joel Payne im Vorwort. Richtig. Geniale Weine, viel­leicht die besten edel­süßen des vergan­genen Jahr­zehnts. 100 Punkte in der Spitze – warum nicht? Auf der anderen Seite gibt es laut Payne auch richtig „schlechte Weine“ Jawohl. Weine nicht nur mit (zu) hoher, sondern auch schmerz­haft unreifer Säure. Oder unsauber, weil die Trauben im Herbst schlecht verlesen wurden.

Auch beim Blick in die deut­schen Wein­pro­vinzen spie­gelt der Gault Millau die Realität durchaus wider. Bei den trockenen Ries­lingen liegen die Pfalz und Rhein­hessen vorn, bei den rest­süßen die Mosel, der Mittel­rhein, die Nahe. Aber das war schon lange klar und ist in Zeit­schriften, Zeitungen und im Internet ausgiebig beschrieben worden.

Die Langeweile beginnt mit der „Kollektion des Jahres“

Die Lange­weile kommt vorn im Buch auf. Da, wo eigent­lich Verän­de­rungen sichtbar werden sollten. Egon Müller bekommt die Trophäe für die „Kollek­tion des Jahres“. Sicher, ein Jahr wie 2010 spielt einem Winzer mit Schwer­punkt edel­süße Weine in die Karten. Doch kommen aus dem Keller von Egon Müller nicht schon seit einem halben Jahr­hun­dert groß­ar­tige Kollek­tionen? Auch in kleinen Jahren? Die ganze Welt weiß das. Einen Erkennt­nis­wert hat diese Auszeich­nung nicht. Es sei denn die Erkenntnis, dass dem Gault Millau nichts mehr einfällt.

Die Auszeich­nung für die „Wein­karte des Jahres“ geht an die Schwarz­wald­stube im Hotel Traube Tonbach. Wie aufre­gend! Deutsch­lands wohl bestes 3-Sterne-Restaurant mit tollem Wein­keller – wer hätte das gedacht? Der „Somme­lier des Jahres“ ist diesmal eine Somme­lière: Magda­lena Brand­stätter. Eine verdiente Auszeich­nung, aber auch keine sehr orig­nelle Wahl. Denn die junge Öster­rei­cherin arbeitet im Wald­hotel Sonora. Jedes 3-Sterne-Restaurant ist ein Treib­haus für Talente.

Klaus Keller: Abonnement auf den besten Riesling

Kein Risiko auch auch bei den prämierten Weinen. Der beste Winzer­sekt kommt 2010 wieder mal aus dem Weingut von Volker Raum­land – zum fünften Mal in den letzten zehn Jahren. Wenn der Gault Millau so weiter macht, braucht ihn bald keiner mehr zu kaufen. Beson­ders spek­ta­kulär ist auch die Wahl des besten Weiß­bur­gun­ders nicht. Sie fiel zum wieder­holten Male auf das Südpfälzer Weingut Dr. Wehr­heim.

Die Ehre des besten trockenen Ries­lings des Jahres 2010 geht aber­mals an Klaus Keller nach Flörsheim-Dalsheim. Mit fünf Prämie­rungen in den letzten acht Jahren scheint er eben­falls ein Abon­ne­ment auf den Titel zu haben. Nicht dass die Entschei­dungen der Gault-Millau-Jury anzu­zwei­feln wären – aber einen Wein­führer, der jedes Jahr fest­stellt, dass die neuen Cham­pions auch die alten sind, braucht man eigent­lich nicht.

Mutig ist dagegen die Entschei­dung, Matthias Müller zum „Winzer des Jahres“ zu küren. Ein tüch­tiger, aber relativ unbe­kannter Winzer, dessen Weine nie in den Top 10 auftau­chen, der aber eine heroi­sche Leis­tung im schwie­rigen Anbau­ge­biet Mittel­rhein erbringt. Und dass die Wein­gärtner Cleebronn-Güglingen aus Würt­tem­berg zum „Aufsteiger des Jahres“ avan­cierten, hat eben­falls einen gewissen Über­ra­schungs­wert. Genos­sen­schaften sind nicht unbe­dingt der Darling der Wein­jour­na­listen. Außerdem ist die Konkur­renz in dieser Kate­gorie ist groß. 

3 Antworten zu „Gault Millau WeinGuide: Ist deutscher Wein wirklich so langweilig?“

  1. lesommelier sagt:

    Wer liest denn noch den Gault Millau „Wein­guide“? Da kaufe ich mir doch lieber eine gute Flasche Wein und den aktu­ellen Eichel­mann. Macht mehr Spaß, mehr an und es gibt immer etwas neues zu entde­cken.

  2. Rieslingmaster sagt:

    lesom­me­lier;
    die Frage ist mehr als berech­tigt, copy paste wird hier nur verwendet ! Gran­diose Kunst solche einheit­li­chen Verkos­tiger zu beschäf­tigen, oder wird hier gar nicht mehr degus­tiert ?
    Zu den Rotweinen:
    Das ist wohl deut­sche Selbst­über­schät­zung in Perfek­tion !

  3. […] Der Wein­kenner meint: Die Lan­ge­weile kommt vorn im Buch auf. Da, wo eigent­lich Ver­än­de­run­gen sicht­bar wer­den soll­ten. Egon Mül­ler bekommt die Tro­phäe für die „Kol­lek­tion des Jah­res“. Sicher, ein Jahr wie 2010 spielt einem Win­zer mit Schwer­punkt edel­süße Weine in die Kar­ten. Doch kom­men aus dem Kel­ler von Egon Mül­ler nicht schon seit einem hal­ben Jahr­hun­dert groß­ar­tige Kol­lek­tio­nen? Auch in klei­nen Jah­ren? Die ganze Welt weiß das. Einen Erkennt­nis­wert hat diese Aus­zeich­nung nicht. Es sei denn die Erkennt­nis, dass dem Gault Mil­lau nichts mehr einfällt. […]

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