Collage erfrorene Weinreben und Ludwig Knoll

Frostkatastrophe in Franken: „Mein Herz blutet.“

Am schlimmsten haben die Spät­fröste am 4. Mai das Wein­bau­ge­biet Franken getroffen. Ersten Schät­zungen zufolge muss mit 50 Prozent Schaden gerechnet werden. Ludwig Knoll vom Weingut Am Stein in Würz­burg hat sogar 80 Prozent der Ernte verloren: „Mir blutet das Herz.“ Das Lachen ist ihm und seiner Frau Sandra inzwi­schen vergangen, ebenso wie Horst Kolesch (Juli­us­spital), Wolf­gang Luckert (Zehnthof), Reimund Stumpf (Bickel-Stumpf) und Peter Helm­berger (Castell). Jens Priewe hat mit ihnen gespro­chen.

Am schlimmsten haben die Spät­fröste am 4. Mai das Wein­bau­ge­biet Franken getroffen. Ersten Schät­zungen zufolge muss mit 50 Prozent Schaden gerechnet werden. Ludwig Knoll vom Weingut Am Stein in Würz­burg hat sogar 80 Prozent der Ernte verloren: „Mir blutet das Herz.“ Das Lachen ist ihm und seiner Frau Sandra inzwi­schen vergangen, ebenso wie Horst Kolesch (Juli­us­spital), Wolf­gang Luckert (Zehnthof), Reimund Stumpf (Bickel-Stumpf) und Peter Helm­berger (Castell). Jens Priewe hat mit ihnen gespro­chen.

Erfrorene RebenDer Frost schlich sich lautlos an. Er kam von Nord­osten, aber nicht über­ra­schend. Der Wetter­dienst hatte vor einem Kalt­luft­keil aus Polen gewarnt. In Breslau war am Tag vorher Schnee gefallen. Franken liegt luft­li­ni­en­mäßig nicht weit von Südpolen entfernt. Einige Winzer waren deshalb im Wein­berg und versuchten, mit Gasöfen, Venti­la­toren und Wasser­spritzen zu verhin­dern, dass die jungen Triebe erfroren. Doch viel konnten sie nicht ausrichten. Bei fünf bis sechs Grad minus strahlte die eiskalte Luft erbar­mungslos auf die sprie­ßenden Reben ab.

Auch Württemberg und Rheinhessen schwer getroffen

Es war offenbar der verhee­rendste Spät­frost, der Deutsch­land seit 1945 heim­ge­sucht hat. Er brei­tete sich in Windes­eile bis nach Würt­tem­berg und in die Pfalz aus. Wein­güter wie Rainer Wacht­stetter, Graf Adel­mann und Fürst Hohenlohe-Öhringen sind hart getroffen. Georg Mosba­cher im pfäl­zi­schen Forst beklagt eben­falls sehr hohe Schäden. Auch in den rhein­hes­si­schen Orten Pfed­ders­heim, Metten­heim, Alsheim und Gunters­blum wütete der Frost. Mosel, Nahe, Ahr und Rheingau sind dagegen relativ glimpf­lich davon­ge­kommen. Nur in den Senken, in denen die kalte Luft nicht abfließen konnte, sind dort Reben erfroren. „Ich rechne mit Einbußen von etwa 15 Prozent“, berichtet Peter Jakob Kühn aus Oestrich.

Katastrophe mit Ansage

Am schlimmsten hat es zwei­fellos Franken getroffen. Die eiskalte Luft fiel von oben in die Hänge ein und strömte nach unten ins Maintal. Wo sie nicht abfließen konnte, blieb sie liegen und zerstörte alles, was am Fuße der Steil­hänge wuchs. Erfah­rene Winzer wie Reimund Stumpf vom Weingut Bickel-Stumpf ahnten die Kata­strophe bereits, bevor sie da war – frei­lich ohne etwas ändern zu können: „Die Reben waren eigent­lich viel zu weit entwi­ckelt. Wenn es dann vor den Eishei­ligen kalt wird und zusätz­lich Voll­mond ist, kann es passieren, dass wir einen frühen Spät­frost kriegen.“

Wirtschaftlich harter Schlag

Dabei hatten die Franken große Hoff­nungen in den Jahr­gang 2011 gesetzt. Nach dem mengen­mäßig kleinen Jahr­gang 2010 und dem auch nicht über­mäßig reichen Jahr­gang 2009 sehnten sich die Winzer nach einem Jahr­gang, der endlich einmal wieder normal ausfiel und die derzeit güns­tige Frankenwein-Konjunktur unter­stützt. Viele Wein­güter hatten in den letzten Jahren enorme Inves­ti­tionen getä­tigt. Wirt­schaft­lich trifft sie der Spät­frost deshalb hart. Einige fürchten sogar um ihre Exis­tenz.

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