Valter Fissore

Ende der Schmusewelle: Die tollen Barolo von Elvio Cogno

Die Schmuse-Welle ist passé. Gefragt ist der klas­si­sche Barolo mit Tannin, Säure, sauberer Frucht und ohne Neuholz. Einen solchen erzeugt Valter Fissore vom Weingut Elvio Cogno. Portrait eines Aufstei­gers, dessen Barolo auf dem schmalen Grat von Tradi­tion und Trink­freund­lich­keit wandert und auch solche Menschen über­zeugen könnte, die nicht auf piemon­te­si­sche Weine einge­schworen sind.

Die Schmuse-Welle ist passé. Gefragt ist der klas­si­sche Barolo mit Tannin, Säure, sauberer Frucht und ohne Neuholz. Einen solchen erzeugt Valter Fissore vom Weingut Elvio Cogno. Portrait eines Aufstei­gers, dessen Barolo auf dem schmalen Grat von Tradi­tion und Trink­freund­lich­keit wandert und auch solche Menschen über­zeugen könnte, die nicht auf piemon­te­si­sche Weine einge­schworen sind.

Valter FissoreBarolo wird aus der Nebbiolo-Traube erzeugt, und die ist für Valter Fissore wie ein Gespenst, das ihn auf Schritt und Tritt verfolgt. Selbst wenn er auf Reisen geht, um seine Weine irgendwo auf der Welt vorzu­stellen, in New York oder München, kann er sie nicht abschüt­teln. Zumin­dest kreisen seine Gedanken ständig um die Nebbiolo, von der er nie weiß, ob sie ihm seine Abwe­sen­heit verzeiht. „Die Nebbiolo ist extrem sensibel. Sie reagiert auf alles, was um sie herum passiert. Du musst sie ständig umsorgen und fragen, ob es ihr gut geht. Sonst bestraft sie dich gnadenlos.“

Das Schlimme ist, dass Fissore von Nebbiolo-Reben umgeben ist. Schaut er morgens aus dem Schlaf­zim­mer­fenster, hat er sie bereits im Blick. Sieht er aus dem Küchen­fenster, hat er ein ganzes Meer von Nebbiolo-Reben vor sich. Tritt er auf den Balkon, liegt ihm ein hüge­l­über­grei­fender Flecken­tep­pich von Wein­bergen zu Füßen, der aus Wein­bergen zusam­men­ge­fügt ist, die mit dieser Rebe bestockt sind. Und vom Haus­flur aus, der kein Fenster hat, schaut er durch die offene Türe auf die großen Holz­fässer im Keller, in denen der Nebbiolo-Wein seiner Reife entgegen dämmert.

„Anstren­gend“ sei das Leben mit dieser Sorte schon, saqt Fissore, aber auch höchst kurz­weilig. Das liegt nicht nur daran, dass er sich mit ihr gut versteht, sondern auch am Resultat seiner Arbeit, die bei Kennern hoch geschätzt wird: seine Barolo der Jahr­gänge 2004, 2005 und 2006 gehören zu den besten des Anbau­ge­biets. Es fehlt nicht viel, um ganz oben mitzu­spielen in der Liga der Top-Gewächse des Piemonts.

Weingut Elvio Cogno Nach zwei Jahr­zehnten, die viele merk­würdig dunkle, manchmal gequälte, oft von Barri­que­holz maskierte Barolo hervor­ge­bracht haben, hat sich der Geschmack  der Wein­trinker geän­dert. Der klas­si­sche Barolo ist wieder gesucht – aller­dings nicht in der unge­ho­belten, bäuer­li­chen Version von einst. Säure und Tannin müssen reif sein, die Frucht sauber, und der Wein muss trotz seiner Tann­in­schwere leicht­füßig über den Gaumen gleiten. Diesen Barolo-Typ strebt der 46jährige Fissore an.

Das Weingut heißt Elvio Cogno nach seinem Schwie­ger­vater. Es liegt in der Gemeinde Novello, einem von elf Barolo-Dörfern, deren Nebbiolo-Weine das Recht haben sich Barolo zu nennen. Cogno ist eine Barolo-Legende. Er war Keller­meister und Teil­haber der Kellerei Marca­rini in La Morra, aus der in den sieb­ziger und acht­ziger Jahren einige der besten Barolo des ganzen Piemont kamen. „Mein Schwie­ger­vater hat immer einen tradi­tio­nellen Barolo gemacht“, sagt Fissore. „Von ihm habe ich alles gelernt.“

Auch wenn Nebbiolo heute sein Schicksal ist: in die Wiege gelegt war ihm der Barolo nicht. Fissore ist gelernter Indus­trie­tech­niker, und die Arbeit mit Rohren, Leitungen, Schellen und Schrauben hat ihm früher viel Spaß gemacht. Um die Leiden­schaft für den Wein bei ihm entflammen zu lassen, bedurfte es eines Zufalls. Der hieß Nadia. Sie ist die Tochter von Elvio Cogno.

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