Das war 2011: kesse Sprüche, doofe Kommentare, begeisternde Weine

Dez 312011

Rück­bli­cke auf das abge­lau­fene Jahr sind eine Pflicht – auch für weinkenner.de. Jens Priewe erin­nert sich, was ihn im abge­lau­fe­nen Jahr gefreut und geär­gert, gewun­dert und erschreckt hat. 15 Bekennt­nisse eines Men­schen, der ver­sucht, die Welt des Weins zu verstehen.

FeuerwerkWas mich gefreut hat…

…dass der Jahr­gang 2010 trotz des küh­len, feuch­ten Som­mers in Deutsch­land so gut gelun­gen ist. Unsere Über­schrift „Nahe dran an der Per­fek­tion“ traf voll ins Schwarze: Ins­be­son­dere von der Nahe kamen Weine vol­ler Span­nung, Fein­heit, Fili­gra­ni­tät. Aber auch Win­zer Rhein­hes­sens und der Pfalz dür­fen sich auf die Schul­ter klop­fen: Der Mehr­auf­wand hat sich gelohnt.

Was mich begeis­tert hat…

…2004 Pinot Noir Brau­neber­ger Klos­ter­gar­ten*** von Mar­kus Molitor…1985 Sassicaia…1996 Ribeira del Duero „Viña Pedrosa“ von den Bode­gas Perez Pas­cuas ….2002 Ornellaia,…2009 Kamp­ta­ler Ries­ling Gais­berg von Johan­nes Hirsch…1989 Ries­ling Spät­lese tro­cken Brau­neber­ger Juf­fer Son­nen­uhr aus dem Wein­gut Fritz Haag. Aus­ser­dem viele junge Win­zer, Win­zer­söhne und -töch­ter in Deutsch­land, die sich mit einer Lei­den­schaft und einem Opti­mis­mus in den Beruf stür­zen, wie sie bei ihren Vätern nicht immer zu spü­ren waren (bezie­hungs­weise sind).

Was mich nach­denk­lich gemacht hat…

…dass es auch unter Jung­win­zern Exem­plare gibt, die ihren Job mit der Men­ta­li­tät von Kar­tof­fel­bau­ern betrei­ben, etwa jener würt­tem­ber­gi­sche Wein­gärt­ner, der die ihm von der Genos­sen­schaft auf­er­leg­ten Ertrags­be­gren­zun­gen heim­lich igno­rierte, um sich vom Mehr­er­lös end­lich einen iPod samt Ste­reo­kopf­hö­rer für den Trak­tor zu kaufen.

Was mir im Gedächt­nis geblie­ben ist…

…der kesse Satz der 31jährigen Weinevent-Managerin Julia Klüber: „Bou­quet erschnüf­feln, einen Schluck im Mund durch­kauen, mit stren­ger Miene aus­spu­cken – diese Art der Wein­ver­kos­tung war gestern.“

Was mir Respekt ein­ge­flösst hat…

…dass Pierre-Yves Colin-Morey, Win­zer aus Chassagne-Montrachet, nach eige­ner Aus­sage Tag und Nacht grü­belt, warum so viel Weiß­weine von der Côte de Beaune oxy­da­tive Noten auf­wei­sen – ohne bis jetzt eine Erklä­rung gefun­den zu haben.

Was mich neu­gie­rig gemacht hat…

…die zahl­rei­chen Win­zer der zwei­ten und drit­ten Reihe, die ohne große Publi­zi­tät, aber mit hohem Ein­satz arbei­ten und teil­weise begeis­ternde Weine erzeu­gen, von denen nur wenige Men­schen etwas wis­sen. Das gilt für Deutsch­land ebenso wie für andere Länder.

Was ich bemer­kens­wert fand…

…dass die neue Deut­sche Wein­kö­ni­gin und ihre Prin­zes­sin­nen sich statt im geschlos­se­nen Dirndl oben ohne foto­gra­fie­ren lie­ßen (ich meine: schulterfrei).


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