Tor der Bodegas Numanthia

Bodegas Numanthia: Einmal richtig im Luxus schwelgen …

Toro ist ein Provinz­städt­chen tief in Kasti­lien. Wer es nicht kennt, wird vermut­lich nie dorthin finden. Und wenn doch, dann nur wegen des Weins. Toro ist nämlich berühmt für seine verschwenderisch-üppigen Rotweine. Zwei der opulen­testen und besten kommen aus den Bodegas Numan­thia. Wer keine Angst vor solch schweren, explosiv-fruchtigen Luxus­weinen hat, wird glän­zende Augen von ihnen bekommen. Von Jens Priewe

Toro ist ein Provinz­städt­chen tief in Kasti­lien. Wer es nicht kennt, wird vermut­lich nie dorthin finden. Und wenn doch, dann nur wegen des Weins. Toro ist nämlich berühmt für seine verschwenderisch-üppigen Rotweine. Zwei der opulen­testen und besten kommen aus den Bodegas Numan­thia. Wer keine Angst vor solch schweren, explosiv-fruchtigen Luxus­weinen hat, wird glän­zende Augen von ihnen bekommen 

Tor mit Wappen Bodegas Numanthia, ToroDer Numan­thia ist einer jener Weine, über die Händler manchmal flachsen, man brauche einen Waffen­schein, bevor man sich ihnen nähere. Zu gefähr­lich sei es, ein derar­tiges „Geschoss“ arglosen Wein­trin­kern zu über­lassen. Eine böse, martia­li­sche Warnung. Aber wenn sie berech­tigt wäre, müsste sie erst recht für den Terman­thia gelten. Dieser tief­rote, vor Frucht bers­tende Luxus­wein gehört zum Explo­sivsten, was Spanien hervor­bringt. Zum Teuersten sowieso: Eine Flasche kostet zwischen 130 und 150 Euro. Selbst Besser­ver­diener, die beim ersten Wein, dem Numan­thia mit seinen knapp 40 Euro, viel­leicht noch zugreifen, werden bei diesem Wein schlu­cken.

Opulenz ist die eine Sache. Die andere ist, dass die beiden Weine trotz ihrer verschwen­de­ri­schen Fülle eine Eleganz besitzen, die sie auch für Menschen ohne Waffen­schein attraktiv macht: Die Frucht ist zwar explosiv, aber geschliffen, das Tannin so fein wie der Sand an den Stränden der Costa Brava, das mouth­fee­ling einfach toll. Trotz ihrer Fülle sind sie frisch und äußerst präzise gear­beitet – keines­wegs selbst­ver­ständ­lich bei Weinen mit 14,5 Vol.%., schon gar nicht in Spanien, wo Reservas und Gran Reservas nicht selten mit ledrigen, strengen Aromen aufwarten. Am Numan­thia und am Terman­thia könnten auch Fili­gran­t­rinker ihre Freunde haben.

Wein von alten und uralten Rebstöcken

Thermantia WeinbergBeides sind Luxus­weine. Sie sind rein­sortig aus einer Spielart der Tempranillo-Traube gekel­tert, die in Spanien Tinta del Toro genannt wird. Der Numan­thia kommt aus mehreren Wein­bergen, deren Rebstöcke 70 bis 100 Jahre alt sind. Die Erträge sind niedrig. Der Terman­thia kommt aus einem kleinen, noch vor der Reblaus­ka­ta­strophe ange­legten Wein­berg, dessen Stöcke sogar bis zu 140 Jahre alt sind: ober­arm­dicke Rebstämme, in sich verknotet, nur wenige Triebe entwi­ckelnd. Rank­hilfen wie Draht oder Stütz­pfahl gibt es nicht. Die Trau­ben­aus­beute im Herbst ist gering. Von den 4,78 Hekt­aren des Termanthia-Weinbergs ergeben sich rund 5000 Flaschen Wein. Das entspricht einem Ertrag von rund 7 Hekto­li­tern pro Hektar. Der hohe Preis des Weins ist diesem Umstand geschuldet.

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