Deutschlands Winzer haben ein neues Steckenpferd. Es heißt Blanc de noir. Zu Deutsch: Weißwein aus roten Trauben. In diesem Fall meist Spätburgunder. So wohlklingend der französische Name auch sein mag – der durchschnittliche deutsche Blanc de noir spricht dieser Bezeichnung Hohn. Meist ist er nur ein komplett farbloses, wässriges Etwas. Eine Polemik von Ulrich Sautter
Erinnern wir uns: Die Bezeichnung Blanc de noir stammt aus der Champagne. Dort werden die roten Sorten Pinot noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling) stets zu Weißwein gekeltert. Dieses Kunststück, einen Weißen (blanc) aus Trauben mit dunkler Beerenhaut (de noir) zu machen, gelingt nur, wenn man die Trauben nach der Lese sehr schnell abpresst. Denn das Fruchtfleisch, aus dem der Saft rinnt, ist farblos, die Farbstoffe sitzen einzig in der Beerenhaut. Bringt man gesunde, unverletzte Trauben vom Stock direkt zur Kelter, haben die Farbstoffe keine Zeit, aus der Schale in den Most überzutreten. Von der Kelter fließt ein heller Most. Die Delikatesse seiner Aromen ist eines der vielen bewundernswerten Motive eines guten Champagners.
Nun höre ich schon die empörten Zwischenrufe: Warum soll das nur in Frankreich funktionieren? Wein-Chauvinist! Doch ich antworte: Denkfehler! Es geht hier nicht um Deutschland oder Frankreich, es geht um die Motivationslage der Winzer. In der Champagne sind es gesunde, reife, hochwertige Trauben, die so behandelt werden. Schließlich dienen die mit dunklen Sorten bestockten Weinberge einzig und allein der Produktion von Blanc de noir (in Frankreich übrigens meist Blanc de noirs geschrieben).
Aus Trauben dritter Wahl gewonnen
Hierzulande hingegen streben die Winzer zuallererst danach, Rotwein zu keltern. Die reifsten, gesündesten Trauben, sei es Spätburgunder, sei es eine andere dunkelfarbige Sorte, bleiben ganz selbstverständlich der Erzeugung von Rotwein vorbehalten! Aus den zweitbesten Trauben oder aus dem Ablaufsaft einer Rotwein-Maische macht man pastellfarbenen Weißherbst oder Rosé. Und welche Trauben nimmt man für den Blanc de noir?
Um diese Frage zu beantworten, sollten wir einen Blick in die mäßig appetitlichen Tiefen der Kellertechnik werfen. Der durchschnittliche deutsche Winzer nämlich hat bei der Blanc de noir-Produktion zwei Probleme: Erstens stehen ihm nur angefaulte Trauben zur Verfügung – die gesunden braucht er ja für den Rotwein (hoffentlich!).
Zweitens finden in Bottichen mit angematschtem Lesegut die Farbstoffe der Beerenhaut in kürzester Zeit den Weg in den Saft. Und da dann schon alles schwimmt, bevor die Ernte auf der Presse ist, lösen sich auch die muffigen Aromen des Fäulnis-Pilzes Botrytis cinerea in den Most. Ahnen Sie, was ich meine?



Ich finde dass ist unsinn was Sie hier schreiben, denn Winzer die Qualitätsbewusst sind nehmen nicht die dritte Wahl der Trauben, sondern erstklassige Qualität.
Wenn Sie ihn persönlich nicht mögen, dann ist es Ihre Sache, aber deshalb sollte man den Blac de Noir nicht schlechtreden. Es geht hier um den Geschmak des Spätburgunders und diesen mal nicht als Rotwein der natürlich voller im Geschmack ist.Außerdem verwenden wir zum Beispiel keine faulen Trauben, sondern gesundes und hochwertiges Lesegut.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Keller
Sehr geehrte Frau Keller,
dass man blanc de noirs auch auf seriöse Weise produzieren kann, will ich gar nicht bestreiten. Wenn einem bei gelungenen Exemplaren die feinen Pinot-Aromen aus dem Glas entgegenkommen: wunderbar. Nach solchen Weinen lohnt es sich durchaus zu suchen, schicken Sie mir doch mal ein Muster. Doch die Realität auf dem Weinmarkt sieht anders aus. 80 Prozent aller blanc de noirs sind entweder neutral oder pilzig. Wo der klassische Weißherbst den Vorzug hat, dass seine satte Frucht den Mantel des Vergessens über eventuelle Botrytisnoten deckt, da stehen viele blanc de noirs-Weine eher “ausgezogen” da.
Beste Grüße, Ulrich Sautter
Guten Abend,
schließe mich den Worten von Frau Keller an, haben soeben einen feinen Blanc De Noir
Vom Weingut Siegbert Bimmerle,Baden getrunken.
Viele Grüße aus Düsseldorf
Peter Prasß
Sehr geehrter Herr Prasß,
darauf kann ich eigentlich nur dasselbe antworten, was ich auch schon Frau Keller geantwortet habe. Im übrigen freut es mich, dass mein Text immer noch gelesen wird
Beste Grüße, Ulrich Sautter
Guten Abend,
meines Erachtens schreibt man das Produkt: Blanc de Noirs., also mit einer franz. Pluralendung “s” die auch im Deutschen nicht ausgesprochen wird.
Sehr geehrter Herr Willi,
Sie haben völlig recht. Allerdings scheint sich – warum auch immer – hierzulande die Schreibweise “blanc de noir” größerer Beliebtheit zu erfreuen als das französische Original. Gänzlich falsch scheint mir “blanc de noir” indes nicht zu sein: Die Aussage ist dann wohl etwas abstrakter “weiß von schwarz” statt “weißer (Wein) von schwarzen (Trauben)”. Ich bin allerdings kein Romanist und kann nicht abschätzen, ob sich “blanc de noir” im Ohr eines französischen Muttersprachlers sinnwidrig anhört.
Beste Grüße, Ulrich Sautter
Sehr geehrter Herr Sautter,
da das Plural-S nicht ausgesprochen wird, ist es für das Ohr eines französischen Muttersprachlers unerheblich, das Auge freut sich jedoch über eine korrekte Schreibweise und die Zunge sagt: es gibt durchaus sehr genießbare und gut ausgebaute Weine dieser Spezies.
Beste Grüße von der Nahe
Daria Schmitt
merci bien, und beste Grüße an die Wein- und vor allem Riesling-reiche
Nahe
Blanc de noirs ist in Frankreich ein hochwertiger Sekt, zu 99 % werden 3 Rebsorten eingesetzt. Pinot noir, Chardonay und Pinot Meunier. In Deutschland dagegen nur aus dem Blauer Spätburgunder vinifiiziert bzw. versektet.
Tipp: Blanc de noirs als bester Biowein 2012 in Baden – Württember vom Weingut Rieger in Betberg – Markgräflerland. Demeter und ECOVIN
LG
Berthold
Sehr geehrter Herr Willi,
beim Chardonnay als Sorte für “blanc de noirs” täuschen Sie sich – aus dieser Sorte keltern die Champagnerwinzer den gesuchten “blanc de blancs”, eben gerade keinen Weißwein aus blauen Trauben, sonern einen “weißen aus weißen”.
Die Markgräfler Adresse lese ich mit Interesse, Betberg, das ist auf halbem Weg zwischen Staufen und Müllheim, oder täusche ich mich?
Beste Grüße, Ulrich Sautter
Lieber Herr Sautter.
Sorry das ist mir ein weißer reingeschlupft.
Sie kennen sich ja aus im Markgräflerland. Betberg mit 120 Dorfbewohnern liegt zwischen Heitersheim wo ich wohne und Müllheim. Das Weingut Rieger – Demeter und Ecovin – zählt zu den besten Ökoweinbetrieben in Deutschland und zur Weinmachergruppe der Weingräfler.
Gruß aus dem Markgräflerland
Warum Sie in Ihrem Artikel einen Rundumschlag gegnüber Blanc de Noirs von deutschen Winzern verüben ist mir völlig schleierhaft. Botrytisfaules Lesegut und Kohleschönung zur Erzeugung trockener Weine ist bei qualitätsbewussten Weinerzeugern mit Sicherheit nich gang und gäbe. Ob Weißwein, Rotwein oder eben Blanc de Noirs. Und unsaubere oder “ausgezogene” Weine aus geringer Traubenqualität gibt es wohl aus jedem Weinbauland dieser Erde.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Hess
Sorry Herr Sautter,
da ist mir eine weiße Rebsorte reingefallen. Freut mich, dass Sie wissen wo das Dorf Betberg mit 110 Bewohnern liegt. Der 27 jährige Weinmacher Philipp Rieger zählt zu den ganz guten Ökoweinmachern in Baden. Gehört zur Weinmachergruppe der Weingräfler.
LG
Berthold
Hallo Herr Sautter,
einen guten blanc de noirs habe ich vom Weingut Weber aus Ettenheim, Baden getrunken.
Sollten Sie die Gegend einmal besuchen, so würde sich ein Abstecher dorthin lohnen.
Gruß
Matthias Fleig
Besten Dank auch für diesen Hinweis. Freundliche Grüße, Ulrich Sautter
[...] wenn man die Trauben nach der Lese sehr schnell abpresst. Ich zitiere der Einfachkeit halber weinkenner.de (die anscheinend nicht so auf Blanc de noir stehen ): Die Bezeichnung Blanc de noir stammt aus [...]
Normalerweise bin ich auch kein Fan derartiger Weine, aber der Blanc de Noir 2010 des Weingutes Göhring in Flörsheim-Dalsheim war für mich überzeugend, dazu zu einem äußerst fairen Preis von ca. EUR 4,50. Ich könnte mir vorstellen, dass der 2011er noch interesssanter ist…
Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit mal eine Verkostung mit all den hier vorgeschlagenen Blanc des Noirs-Weinen organisieren… Danke für all die Anregungen, US
Die Überschrift “Blanc de noir: Der Wein, den niemand braucht” ist ebenso überflüssig, wie der Titel selbst! Wichtig finde ich jedoch den Hinweis, dass scheinbar speziell beim Blanc de Noirs geschlampert wird – Beispiele dazu fehlen mir.
Dennoch, das wunderbare am Wein sind eben gerade die unendlichen Anwendungsmöglichkeiten, welche des Winzers künztlerische Begabung fordert – und sei es mal mehr, mal weniger regionaler Tradition verbunden. Am Ende sind für mich die erfolgreichen Experiemente in Keller oder Küche, welche mich als Konsument immer wieder mit der Zunge schnalzen lassen.
Dabei versuche ich speziell die Weine nicht als gut oder schlecht, nötig oder unnötig zu definieren, sondern als ehrlich oder künstlich und als richtig oder falsch. D.h. nach Möglichkeit mache ich mir schon vor dem Kauf ein Bild über Betriebsverfahren und Mindeststandards (hier ist Deutschland tendenziell vorne zu sehen), über das Zusammenspiel von Mengen und Qualität (2012er wird deshalb wohl vielerorts als hochwertig bei steigenden Preisen erwartet..) und zu guter Letzt eben Gedanken darüber, ob der Tropfen zu Anlass und Speisen richtig oder falsch ist. Die Zeiten deutscher ungeniessbarer oder minderwertiger Weine sind im Großen und Ganzen vorbei. Persönlich kenne ich Winzer denen moderate Qualität im Anspruch ausreicht, was aber keine unsaubere Arbeit impliziert. Die gefühlte Mehrzahl der Winzer versucht sich durch Ehrlichkeit im Weinberg und im Keller, durch Qualität bei weniger Menge und schonenden Verfahren, und durch Investition und Innovation in Sorten und Methoden aus eingefahren Themen zu lösen – dem Generationenwechsel sei Dank! Gute Beispiele sind schließlich Markus Schneider, Tobias Köninger, Corina Benz, Katja Bohnert, Konrad Salwey und viele Junge mehr oder diverse Versuchs- und Staatsweingüter.
Erst gestern öffnete ich einen schönen Blanc de Noirs von Michael Wiesler – der Staufener Winzer gilt in der Regio als “Early Adopter” des französischen Verfahrens.
- Mathias Wenig, München
[...] ganz besonderer Wein für € 11,90. Blanc de Noir ist ein aus roten Trauben gekelterter Weisswein. Ulrich Sautter bezeichnet ihn polemisch als komplett farbloses, wässriges Etwas, als Wein, den niemand [...]
Lieber Herr Sautter
Stimmt es, dass manche Blanc de noirs mit Medizinalkohle versetzt werden um auch das letzte rote Farbstoffteilchen zu entfernen?
Mit bestem Gruss
Marc Roux, Schweiz
Geschätzter Herr Roux,
manche Winzer verwenden in der Tat Kohle, um Farbpartikel zu entfernen. Das wäre an sich nicht tragisch, nur bindet die Kohle mit der Farbe zugleich auch Geschmacksstoffe.
Beste Grüße in die Schweiz,
Ulrich Sautter
Sehr geehrter Herr Sautter,
können Sie mir einmal erklären, woher der “deutsche Rotwein” die dunkle Farbe herkriegt? Das kann doch nicht ausschließlich von den bei uns wachsenden Trauben sein oder? Bei unserem Klima können Spätburgunder Rotwein, Trollinger, Dornfelder, etc. nicht eine derart intensive dunkelrote Farbe bekommen. Was passiert denn da wirklich? Ich fürchte, Afrika lässt grüßen.
Seien Sie gegrüßt!
G. Teborg
Sehr geehrter Herr Teborg,
seit 1985 ist der Verschnitt ausländischer Färber-Rotweine in deutsche Herkünfte nicht mehr gestattet. So ist zumindest die Rechtslage.
Daher hat man rechtzeitig vorgesorgt – und Sorten wie Dornfelder, Dunkelfelder, Da Capo und andere entwickelt, die tatsächlich auch hierzulande eine enorme Farbausbeute bringen. Auch die Neuzüchtungen der neueren Weinsberger Generation (z.B. Cabernet Dorsa, Acolon, Cabernet Mitos usw.) haben alle enorm viel Farbe. Bei den meisten dieser Trauben besitzt auch das Fruchtfleisch Farbpigmente, nicht nur die Schale.
Ich würde nicht unterstellen, dass heute noch oft ausländische Deckrot-Weine in einheimische Rotweine verschnitten werden. Aber das Problem, das Sie ansprechen, besteht natürlich dennoch: Selbst kleinste Anteile einer Färbersorte können z.B. einen Spätburgunder oder Schwarzriesling komplett verändern. Die Finesse der Frucht ist weg. Leider haben manche Winzer Angst vor negativen Marktreaktionen, wenn ihr Rotwein zu hell ist. Aber Fakt ist, dass fast alle herausragenden Rotwein-Sorten eher hellfarbig sind: Spätburgunder, Nebbiolo, Sangiovese. Selbst klassische Bordeaux-Weine sind nicht tintig!
Herzliche Grüße, Ulrich Sautter
Sehr geehrter Herr Sautter,
als Rheinhessen Winzer las ich diese Seite zuerst entrüstet, mit jeder weiteren Antwort zweifelnd und bis hier fasst schmunzelnd. Schön das Sie Wissen vermitteln, leider trauen Sie Ihrem eigen Land nichts zu. Trauen Sie sich, nach so vielen Hinweisen, mal rein in die Betriebe, schauen Sie über die Schulter und lernen Sie etwas von der selbstbewussten Generation. Ich bin sicher Sie werden irgendwann bemerken, das Deutschland zum Thema Weinbereitung in den letzten 15 Jahren eine riesige Entwicklung vollzogen hat.
Herzliche Grüße
Frank Kaltenthaler, Worms
Sehr geehrter Herr Kaltenthaler,
meine Kritik betrifft den blinden Glauben an Keller-Technologie, an Schönungen und Chemie. Leider reklamieren auch Sie vor allem eine Entwicklung bei der “Weinbereitung”, also der Kellerwirtschaft.
Jeder Betrieb, der vorrangig eine weinbauliche Idee verfolgt – eine, die nicht vom Marketing her gedacht ist – ist mir persönlich herzlich willkommen. Aber, wie ein bekanntes englisches Sprichwort sagt: the proof of the pudding is in the eating. Oder auf gut Deutsch: Die Wahrheit liegt im Glas.
Mit freundlichen Grüßen, Ulrich Sautter