Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin mussten in den vergangenen Jahren viel Kritik einstecken: dem Wettbewerb mangele es an Höhepunkten, Niveau und Strahlkraft. Glanz, Glamour und Starrummel à la Cannes oder Venedig? Fehlanzeige. Über jeden Zweifel erhaben sind jedoch die 18 ausgesuchten deutschen Weine, die bei der Berlinale 2012 vom 9. bis 19. Februar ausgeschenkt werden.
Die Berlinale hatte es in den letzten Jahren nicht leicht, sich gegen die Festivalkonkurrenz in Cannes oder Venedig zu behaupten. Herausragende Filme laufen in Berlin schon seit längerem nicht mehr unbedingt im Wettbewerb, sondern immer öfter außer Konkurrenz, zuletzt der Eröffnungs-Western „True Grit“ von den Coen-Brüdern. Renommierte Regisseure wie Lars van Trier oder David Cronenberg schickten ihre Werke lieber ins Rennen um die Goldene Palme als um den Goldenen Bären. Über Qualität und Exklusivität der ausgewählten Wettbewerbsbeiträge mag man streiten. Fakt ist, dass die interessantesten Streifen mittlerweile in den zahlreichen Nebenreihen zu sehen sind.
Nicht nur beim Riesling sehr gut aufgestellt
Bei den ausschließlich deutschen Weinen, die zu den zahlreichen Galas, Empfängen und in den Lounges der 62. Filmfestspiele in Berlin ausgeschenkt werden, fehlen zwar ebenfalls die ganz großen Namen. Doch die auserkorenen Weine sind nicht nur vorzeigbar, sondern untermauern auch den Anspruch Deutschlands, nicht nur beim Riesling, sondern auch in anderen Weiß- und Rotweindisziplinen gut, ja sehr gut aufgestellt zu sein. Mancher der Weine, auch wenn sein Erzeuger namentlich nicht zu den A-Promis gehört, ist von einem Niveau, das im Einzelfall durchaus bestentauglich ist – die Genossenschaften eingeschlossen.
Bereits zum fünften Mal ist das Deutsche Weininstitut (DWI) offizieller Partner der Berlinale. Eine Jury, der Berliner Sommeliers, Mitarbeiter der Berlinale, Vertreter der beteiligten Anbaugebiete sowie die Deutsche Weinkönigin Annika Strebel angehörten, suchten die 18 Weiß- und Rotweine für die Filmstars und prominenten Gäste aus. Insgesamt verkostete das Gremium rund 60 vorausgewählte Weine. Weit mehr als 100 Weine und Erzeuger hatten sich laut DWI für die Berlinale-Weine 2012 beworben.
Festivalchef Kosslick als Weinliebhaber bekannt
Die qualitätsvollen Tropfen stammen aus unterschiedlichen Weinregionen Deutschlands. Sie werden mit Unterstützung der Landwirtschaftsministerien von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie den regionalen Weinwerbungen von Rheinhessen, Pfalz, Mosel, Baden und Württemberg bereitgestellt. Die Erzeuger dürfen ihre ausgewählten Weine ab sofort als “Offizieller Berlinale Wein 2012″ auszeichnen und vermarkten.
Dieter Kosslick, seit 2001 Berlinale-Direktor, ist als Weinliebhaber auch überregional bekannt. Im März zeichnete ihn das Magazin „Der Feinschmecker“ als „Weingourmet des Jahres“ aus. Unter seiner Ägide entstand die Berlinale-Sektion „Kulinarisches Kino“, die Filmgenuss und Gaumenfreuden miteinander verbindet. Der 63-Jährige würde wohl kaum dulden, dass sein Festival durch schlechte Weine Schaden nimmt.


