Seite 3 von Alexandre Thienpont über Bordeaux 2011- Reben mit Sonnenbrand

Begrünung der Weinberge wäre eine Hilfe gewesen

Andrew Black: Was hätten Sie tun können, um die Schäden zu vermeiden?
Alex­andre Thien­pont: Wir hätten die Reben­flure begrünen müssen. Wein­berge mit Grün­saat zwischen den Rebzeilen sind von der Hitze­welle nicht in Mitlei­den­schaft gezogen worden.
Andrew Black: Auch nicht in den früh reifenden Terroirs von Pomerol?
Alex­andre Thien­pont: Auch dort nicht. Château Gombaude Guillot, das orga­nisch arbeitet und eine Grün­decke zwischen den Reben ange­legt hat, regis­triert keine Sonnen­schäden.
Andrew Black: Das heißt: Jene Nach­barn, die wie Sie zwischen den Zeilen pflügen, haben die glei­chen Probleme wie Vieux Château Certan?
Alex­andre Thien­pont: Ja, außer Pétrus, so weit ich weiß. Pétrus hat etwas kühlere Böden.
Andrew Black: Als die Hitze­welle vorbei war, hat es ziem­lich viel geregnet …
Alex­andre Thien­pont: 25 Milli­meter. Aber nicht alles auf einmal, sondern in Schüben, so dass die Reben sich zwischen­durch immer wieder vom Wasser­stress erholen konnten.
Andrew Black: Wie sind jetzt Ihre Einschät­zungen für den Jahr­gang 2011?
Alex­andre Thien­pont: Schwierig zu sagen. Einen solchen Sonnen­brand wie im Juni habe ich noch nie erlebt. Ich weiß also nicht, wie die Reben auf einen so frühen Hitzes­tress reagieren. Der Juli war dann kühler als normal. Insge­samt ein unge­wöhn­li­cher Vege­ta­ti­ons­ver­lauf. Wenn ich einen Vergleich heran­ziehen müßte, würde ich sagen: ähnlich wie 1983.
Andrew Black: Viel hängt vom Wetter im August ab. „Août fait le moût“ sagt man in Bordeaux (frei über­setzt: der August bringt die Oechsle, Anm. der Red.). Kann man von einer sehr frühen Lese ausgehen?

Vegetationsvorsprung von drei Wochen

Alex­andre Thien­pont: Wir hatten einen Vege­ta­ti­ons­vor­sprung von drei Wochen, der durch die kühle Periode wieder etwas zusam­men­ge­schmolzen ist. Aber dann hat der Regen während der Veraison (Blau­fär­bung der Trauben, Anm. d. Red.) wieder den alten Abstand herge­stellt. Ich würde also sagen, dass wir immer noch drei Wochen Vorsprung haben.
Andrew Black: Wann werden Sie dann mit der Ernte beginnen?
Alex­andre Thien­pont: Gleich Anfang September.
Andrew Black: Wird die Menge geringer ausfallen durch die Hitze­welle?
Alex­andre Thien­pont: Nein, der Behang ist derzeit üppig. Die Beeren sind dick. Wir sind dabei auszu­dünnen, um ein Gleich­ge­wicht herzu­stellen und um den Trauben Luft zum Atmen zu geben.
Andrew Black: Frühe Lese bedeutet gewöhn­lich einen guten Jahr­gang, bei der Sorte Cabernet Franc sogar einen sehr guten Jahr­gang …
Alex­andre Thien­pont: Die Aussichten sind zwei­fellos gut. Ende August werden wir wissen, ob wir nur einen reichen oder auch einen guten Jahr­gang bekommen.

Der 2010 Vieux Câteau Certan ist im Vergleich zu quali­tativ ähnli­chen Pomerol-Weinen preis­wert. In der Subskrip­tion kostet er ab 235 Euro/Flasche (inkl. MwSt).

Bezug:  www.alpinawein.de, www.aux-fins-gourmet.de, www.bacchus-vinothek.de, www.c-und-d.de, www.gute-weine.de, www.pinard.de, www.ungerweine.de, www.weinco.at u.a.

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