Andrew Black: Die Primeur-Kampagne 2010 ist beendet. Wie lief sie für Vieux Château Certan?
Alexandre Thienpont: Echt gut.
Andrew Black: Haben Sie die gesamte Ernte verkauft?
Alexandre Thienpont: Ja, wir haben alles verkauft. Wie immer.
Andrew Black: Ihr Eröffnungspreis war höher als 2009 …?
Alexandre Thienpont: Ja, weil 2010 ein herausragender Jahrgang und die Menge sehr klein war.
Andrew Black: Verlief die Kampagne unkomplizierter als erwartet?
Alexandre Thienpont: Für uns verlief sie ruhig, aber für Bordeaux im Allgemeinen war es eine harte Kampagne.
Andrew Black: Warum unkompliziert für Sie?
Alexandre Thienpont: Wir haben die Preisfindung dem Markt überlassen. Angesichts der Qualität und der Menge lagen wir damit richtig.
Andrew Black: Es gab viele herausragende Weine in 2010, aber nicht jeder hat sie so gut verkaufen können wie Vieux Château Certan …
Alexandre Thienpont: Vieux Château Certan genießt heute einen sehr guten Ruf, und in 2010 haben wir mit unserem Wein eine Qualität erreicht, die wir meiner Meinung nach nicht übersteigen können. Der Jahrgang ist im wörtlichen Sinne herausragend.
Andrew Black: Das Jahr 2011 hat nach allem, was man hört, wenig verheißungsvoll begonnen. Die Temperaturen stiegen bereits im Frühjahr auf 41 Grad Celsius. Teile von Pomerol sind durch die Hitzewelle hart getroffen worden.
Alexandre Thienpont: Ja, so eine Hitze zu so einem frühen Zeitpunkt habe ich in meinen 26 Jahren auf Vieux Château Certan noch nicht erlebt. Teile der Reben sind in der Sonne regelrecht verbrannt.
Andrew Black: Wie stark ist Vieux Château Certan betroffen?
Alexandre Thienpont: Rund 20 Prozent unserer Reben sind verbrannt, vor allen die Reben in den nach Westen gelegenen Weinbergen.
Andrew Black: Diese Trauben sind wahrscheinlich komplett verloren …?
Alexandre Thienpont: Sie sind verbrannt und ausgetrocknet. Wir mussten durch die Reben gehen und die verbrannten Beeren herausschneiden: zum einen als Vorsichtsmaßnahme, um die gesunden Trauben vor Ansteckung zu schützen, zum anderen aus psychologischen Gründen – es sah einfach nicht gut aus.
Betroffen vor allem Châteaux mit warmen Böden
Andrew Black: Einige Winzer hatten, bevor die große Hitze einsetzte, Netzschwefel gespritzt gegen Oidium (Echter Mehltau, Anm. d. Red.). Dadurch sollen die Hitzeschäden noch verstärkt worden sein. Ist das der Grund, weshalb Vieux Château Certan so stark von der Hitze betroffen ist?
Alexandre Thienpont: Wir arbeiten mit Netzschwefel gegen Oidium, um nicht auf systemische Mittel zurückgreifen zu müssen. Aber wir hatten bereits einige Tage vor der Hitzewelle nicht mehr gespritzt. Die Schäden werden nur dann verstärkt, wenn man ein paar Stunden vor Einsetzen der Hitze Schwefel anwendet.
Andrew Black: Was ist dann der Grund für den Sonnenbrand Ihrer Reben?
Alexandre Thienpont: Der Schwefel ist jedenfalls nicht Schuld. Es ist ein Problem des Terroirs. Die wärmsten, am frühesten reifenden Terroirs, wie wir sie zum Beispiel auf Vieux Château Certan haben, sind am gefährdetsten. Der sich aufheizende Kieselsteinuntergrund schafft Temperaturen wie in einem Ofen.
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