Die Familie Guibert

Aimé Guibert: Missionar des Languedoc

„Lafite des Languedoc“ wurde der rote Mas de Daumas Gassac einst genannt – der teuerste und beste Land­wein Südfrank­reichs. Inzwi­schen hat Aimé Guibert, sein Erfinder, eine neue Mission. Er rettet Rebland vor den Rodungs­prä­mien der EU. So entstanden die Weine von Moulin de Gassac. Sie sind eben­falls gut, aber preis­wert. Und sie garan­tieren Arbeit für seine viel­köp­fige Familie. Von Stefan Krimm

„Lafite des Languedoc“ wurde der rote Mas de Daumas Gassac einst genannt – der teuerste und beste Land­wein Südfrank­reichs. Inzwi­schen hat Aimé Guibert, sein Erfinder, eine neue Mission. Er rettet Rebland vor den Rodungs­prä­mien der EU. So entstanden die Weine von Moulin de Gassac. Sie sind eben­falls gut, aber preis­wert. Und sie garan­tieren Arbeit für seine viel­köp­fige Familie. Von Stefan Krimm

Aimé Guibert war Leder­fa­bri­kant in Millau, einem Provinz­städt­chen in der der südfran­zö­si­schen Region Midi-Pyrénées. 1970 erwarb er einen alten, verlas­senen Bauernhof in Aninane, einem Dörf­chen nord­west­lich von Mont­pel­lier. Der Bauernhof hieß Mas de Daumas Gassac. Guibert restau­rierte ihn und zog mit seiner Frau dorthin. Durch Zufall erfuhr er von einem befreun­deten Geologie-Professor der Univer­sität Bordeaux, dass das Land um den Hof herum auf wert­vollem Grund lag.

Dieser 20 Meter tiefe, aus vulka­ni­schem Fein­sand bestehende Unter­grund sei, teilte ihm der Professor mit, für den Weinbau beson­ders geeignet – quasi ein Grand Cru. Daraufhin bepflanzte Guibert sein Land mit Cabernet-Reben, die er aus Bordeaux bezog – eine Provo­ka­tion in der dama­ligen Zeit. Denn die Rotweine des Hérault werden tradi­tio­nell aus Cari­gnan, Mour­vèdre, Cins­ault, Grenache, Syrah erzeugt.

Erster Grand Cru des Languedoc

Der Wein geriet erschre­ckend gut. Gleich der erste Jahr­gang des Mas de Daumas Gassac (bestehend aus 80 Prozent Cabernet Sauvi­gnon, der Rest Malbec, Syrah, Merlot, Cabernet franc, Tannat und fünf andere Sorten) schlug in einer Blind­ver­kos­tung mehrere große Bordeaux-Weine. „Ich habe bei der Geburt eines neuen Grand Cru assis­tiert“, bekannte Émile Peynaud, der berühmte Önologie-Professor aus Bordeaux, der Guibert unter­stützt hatte. Der Wein­führer Gault Millau sprach vom „Lafite des Languedoc“, auch weil der Wein mit 60 Francs für dama­lige Verhält­nisse unvor­stellbar teuer war (20 Mark).

Den Ruhm des Mas Daumas Gassac mehrte schließ­lich auch der Umstand, dass dieser als einfa­cher Vin de Pays de l’Hérault auf den Markt kam, weil er nicht aus den vorge­schrie­benen Rebsorten der AC Hérault gekel­tert war. Seitdem sonnt er sich auch noch im Ruf des teuersten Land­weins Frank­reichs (zusammen mit Eloi Durr­bach von der Domaine du Trévallon in der Provence).

Die Vertreibung des Robert Mondavi

Die Sympa­thien seiner Lands­leute erwarb sich der knor­rige Fran­zose durch seinen zählen Kampf gegen den Ameri­kaner Robert Mondavi. Dieser wollte, wie Guibert meinte, im Languedoc eine „indus­tria­li­sierte Wein­pro­duk­tion im Welt­maß­stab“ aufziehen. Dafür setzte Jona­than Nossiter in dem Film „Mondo­vino“ dem knor­rigen Fran­zosen später ein Denkmal.

Soweit die mehr oder minder bekannte Vorge­schichte des Monsieur Guibert. Weniger bekannt ist, dass er auch mit in einem weiteren Projekt zum Schutz der klein­tei­ligen Wein­land­schaft des Languedoc Aufsehen erregt hat: mit der Wein­linie Moulin de Gassac. Sie entstand 1991, als er davon erfuhr, dass in der Nach­bar­schaft alte Wein­berge gerodet werden sollten. Sie waren vor allem mit der als Massen­träger verschrienen Rebsorte Cari­gnan bestockt. Rodungs­prä­mien der EU machten den örtli­chen Wein­bauern die Maßnahme schmack­haft.

Eine Antwort zu „Aimé Guibert: Missionar des Languedoc“

  1. Schöner Artikel, der auf die weniger bekannten Weine des Gutes verweist. 

    In dem Segment haben die Guiberts aber inzwi­schen eben­so­viel Konkur­renz wie bei ihren großen Weinen in weiß und rot. Selbst im Dorf Aniane und den unmit­tel­baren Nach­bar­dör­fern, wo sich seit Jahren eine bunte Riege kleiner Winzer mit hohem Quali­täts­an­spruch tummelt, die es unbe­dingt zu entde­cken gilt. 

    Auch der teuerste Vin de Pays im Midi dürfte seit Jahren aber ein anderer sein, der unmit­tel­bare Nachbar Laurent Vaillé bringt seinen Domaine de la Grange des Péres in weiß wie rot deut­lich teurer raus und recht­fer­tigt dies aber durch eine ebenso noch deut­lich höhere Qualität. 

    Eins aber wird Aimé Guibert nicht zu nehmen sein – er hat den Anstoß einer quali­ta­ti­tiven Revo­lu­tion im Midi gegeben…

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