Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt

Winter 2010: Heißa, es ist Glühweinzeit!

Wer sich mit Glüh­wein beschäf­tigt, hat als Wein­jour­na­list verschissen. Niemand nimmt ihn mehr ernst. Wein zu erhitzen, ihm Gewürze, Massen von Zucker und Rum oder anderen Alkohol hinzu­fügen, ist einfach igitt. Jens Priewe hat neulich, als es minus fünf Grad kalt war, vor dem Dres­dener Haupt­bahnhof einen Glüh­wein­ver­such unter­nommen. Lesen Sie, was er zu berichten hat …

Wer sich mit Glüh­wein beschäf­tigt, hat als Wein­jour­na­list verschissen. Niemand nimmt ihn mehr ernst. Wein zu erhitzen, ihm Gewürze, Massen von Zucker und Rum oder anderen Alkohol hinzu­zu­fügen, ist einfach igitt. Jens Priewe hat neulich, als es minus fünf Grad kalt war, vor dem Dres­dener Haupt­bahnhof einen Glüh­wein­ver­such unter­nommen. Lesen Sie, was er zu berichten hat…

Weihnachtsmarkt in München, Foto: George NellGlüh­wein ist eine Sache. Die andere ist das Gefäß, aus dem er getrunken wird. Letz­teres ist nach meiner Meinung sehr viel inter­es­santer als der Inhalt. Ich persön­lich ziehe Tassen vor, weil sie einen Henkel haben und so schön bequem anzu­fassen sind. Zünf­tiger sind natür­lich bemalte Becher aus dickem Ton oder Porzellan. Leider kann es recht heiss werden, wenn man sie zu lange umklam­mert. Trotzdem: Lieber verbrenne ich mir die Finger, als daß ich einen Glüh­wein aus einem dieser schwab­be­ligen Plas­tik­be­cher trinke, die immer häufiger auftau­chen. Da verglüht die Weih­nachts­stim­mung buch­stäb­lich unter der Hand.

Also Tassen. Natür­lich ist der Henkel nur ein vorge­scho­benes Argu­ment. Neulich in Dresden, als ich das letzte Mal Glüh­wein trank, entdeckte ich nämlich einen hübschen Spruch auf meiner Tasse. Er vesetzte mich mehr in Stim­mung als der Inhalt: „Den letzten Cent der Haus­halts­kasse, für den Glüh­wein in der Tasse.“ Ein Reim aus dem real exis­tie­renden Glüh­wein­rea­lismus, dachte ich. Dann schielte ich auf das Gefäß meines Steh­ti­sch­nach­barn. Dessen Reim rumpelte zwar ein wenig, erhei­terte mich dennoch so, dass ich ihn mir aufschrieb: „Ist die Freundin nicht mehr lieb, Glüh­wein stei­gert den Liebes­trieb.“

Unein­ge­schränkt zustim­mens­wert fand ich auch den Spruch eines anderen Glüh­wein­schlür­fers: „Ist die Tasse nicht mehr warm, verliert der Glüh­wein seinen Charme.“ Eher prekär dagegen die folgende Botschaft: „Glühfix in die Tasse rein, Wasser drauf und glück­lich sein.“ Egal, bei soviel Glüh­wein­se­lig­keit läßt man sein Tassen­pfand sausen und nimmt den Henkel­mann mit nach Hause. Heißa, es ist Glüh­wein­zeit!

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