Anthony Barton

Chateau Léoville Barton – Einer der letzten Aufrechten im Test

Bei den Lieb­ha­bern des klas­si­schen Bordeaux steht das Chateau Léoville Barton hoch im Kurs. Seine Weine sind nicht önolo­gisch glatt gebürstet, sondern natür­lich kraft­voll mit rauem, flei­schigen Tannin. Anthony Barton, der Besitzer, hält unbe­irrt an diesem Stil fest – und am mode­raten Preis. Ulrich Sautter hat sieben Jahr­gänge verkostet.

Bei den Lieb­ha­bern des klas­si­schen Bordeaux steht das Chateau Léoville Barton hoch im Kurs. Seine Weine sind nicht önolo­gisch glatt gebürstet, sondern natür­lich kraft­voll mit rauem, flei­schigen Tannin. Anthony Barton, der Besitzer, hält unbe­irrt an diesem Stil fest – und am mode­raten Preis. Ulrich Sautter hat sieben Jahr­gänge verkostet.

Anthony BartonIn puncto Ruhm ist dieses Chateau – einst Teil des riesigen Léoville-Besitzes – hinter seinen beiden Nach­barn zurück geblieben. Léoville Barton, dieser zweit­ran­gige Cru aus St. Julien, ist weder Anwärter auf eine Ernen­nung zum Premier Cru Classé wie Léoville-las-Cases, sein vis-à-vis gele­genes Schwester-Chateau, noch hat es die gute Presse des vom Star-Önologen Michel Rolland betreuten Nach­barn Léoville Poyferré. Seine Weine sind dennoch muster­gültig in ihrer klas­si­schen Stilistik und quali­ta­tiven Konstanz.

Léoville Barton ist seit 1826 im Besitz der irisch­stäm­migen Familie Barton. Hugh Barton (1766–1854) war bereits kein Neuan­kömm­ling mehr, als er einen Teil des Léoville-Besitzes erwarb. Er war bereits die dritte Gene­ra­tion der Bartons im Borde­laiser Wein­handel. Dennoch ist der Auftritt Léoville Bartons bis heute „very british“.

Die Verwur­ze­lung in der briti­schen Wein­han­delstra­di­tion prägt das ökono­mi­sche Verhalten bis zum heutigen Tage. So setzte Anthony Barton, der heute 79jährige Seni­or­chef des Wein­guts, im April 2009 ein viel beach­tetes Zeichen, als er unmit­telbar nach Ende der Primeur­ver­kos­tungen seinen 2008er zum Schnäpp­chen­preis von rund 30 Euro anbot. Mitten in den fins­tersten Wochen der Finanz­krise verkaufte er daraufhin seine gesamte Ernte inner­halb von nur zwei­ein­halb Stunden.

Chateau Leoville BartonDie Botschaft dieses Schritts war unver­kennbar: Wein ist da, um getrunken zu werden. Solcher Prag­ma­tismus brachte Barton, der stets entwaff­nend ehrlich auftritt und mit einem tiefen Sinn für Humor gesegnet ist, nicht nur freund­liche Kommen­tare ein. Eine in Bordeaux kursie­rende Anek­dote erzählt, dass sich ein Kunde des Vorjahr­gangs 2007 bei Barton vehe­ment über den nied­rigen Preis für den – besseren – 2008er beschwerte: Nun habe er so viel Geld in den Jahr­gang 2007 gesteckt und sein Geld somit schlecht inves­tiert. Barton habe daraufhin die Stirn gerun­zelt und dem Kunden geant­wortet: „Ich rate Ihnen, noch weitere 10 Euro zu inves­tieren. In einen Korken­zieher.“

Ähnlich herz­haft wie dieser Kommentar sind auch die Weine von Léoville Barton. Sie zeichnen sich durch eine kraft­volle, aber stets natür­lich wirkende Frucht aus, und durch ein festes Rück­grat aus flei­schigem Gerb­stoff und mine­ra­li­schem Kern. Fein­heit ist nicht unbe­dingt ihre größte Tugend, aber sie zeigen ihr hoch­wer­tiges terroir mit Komple­xität und Reife­be­stän­dig­keit. Es passt zum Stil des Betriebs und der hier vertre­tenen Auffas­sungen von gutem Bordeaux, dass Léoville Barton mehr Cabernet Sauvi­gnon in seinen Wein­bergen hat (nämlich 72 Prozent) als seine beiden Nach­barn (65 und 60 Prozent). Soviel Cabernet braucht man eben für einen anstän­digen Claret.

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