Brunello San Filippo – ein neuer Name in Montalcino

Jul 312010

Das Image des Bru­n­ello di Mon­tal­cino lässt sich in drei Wor­ten zusam­men­fas­sen: teuer, exklu­siv, flat­ter­haft. Seit zwei Jah­ren ent­spricht es nicht mehr ganz der Real­tät. Teuer ist weit­ge­hend vor­bei. Exklu­siv damit auto­ma­tisch auch. Flat­ter­haft ist die Qua­li­tät vie­ler Weine zwar immer noch. Aber es gibt auch immer mehr begeis­ternde, authen­ti­sche Bru­n­ello. Einer kommt aus dem wenig bekann­ten Gut San Filippo.

Wegweiser San FilippoMit Häu­sern kennt Roberto Gian­nelli sich aus. Jah­re­lang hat er Fabrik­hal­len, Indus­trie­kom­plexe, Pro­duk­ti­ons­stät­ten und andere Indus­tri­e­im­mo­bi­lien in der Tos­kana ver­kauft. Dann stand er eines Tages zufäl­lig vor einer klei­nen, alten Häu­ser­gruppe in der süd­li­chen Tos­kana, umge­ben von duf­ten­den Lor­beer­he­cken, Ros­ma­r­in­stau­den, Weiß­dorn­sträu­chern, umstan­den von hoch gewach­se­nen, schlan­ken Zypres­sen. Der Him­mel war blau, die Luft frisch und außer den Gril­len, die in den Kro­nen der Zypres­sen zirp­ten, war kein Laut zu hören. Da wusste Gian­nelli, dass die Zeit gekom­men war sich zu ent­schei­den: „Der Zug hält nur einmal.“

Die Häu­ser­gruppe war ein Wein­gut. Sein Name stand mit wei­ßer Farbe auf einem alten Stück Holz geschrie­ben: San Filippo. Das Wein­gut liegt zwei Kilo­me­ter von Mon­tal­cino ent­fernt, tief ver­sun­ken zwi­schen Oli­ven­hai­nen, Wein­ber­gen, klei­nen Feld­ge­höl­zen und ural­ten Stein­mau­ern, wel­che die Schot­ter­we­ge­säu­men, die zu San Filippo füh­ren. Die Gemäuer sind aus gro­bem Natur­stein. Die ältes­ten Teile stam­men wahr­schein­lich von 1672. Die Kapelle mit einem Glöck­lein auf dem Dach wurde hun­dert Jahre spä­ter errich­tet. Sie ist noch heute geweiht.

Roberto GiannelliGian­nelli sprang auf den Zug. „Ich trank zwar gerne Wein, aber ich wusste nicht, wie er her­ge­stellt wird. Ich hatte keine Ahnung von den Märk­ten. Ich kannte nie­man­den in der Gegend. Ich habe alles ris­kiert.“  Heute ist er 46 und kann sagen, dass er auf dem rich­ti­gen Weg ist. Sein Bru­n­ello war 2004 einer der bes­ten und ist es 2005 wie­der. Der ame­ri­ka­ni­sche Wine Spec­ta­tor zählt sei­nen Bru­n­ello Le Lucére sogar zu den Top Ten des Anbaugebiets.

Doch Gian­nelli ist ein vor­sich­ti­ger Mensch. Er geht mit Frem­dur­tei­len nicht hau­sie­ren. Er spürt die der­zei­tige Zurück­hal­tung der Märkte. Er sieht, wie die Brunello-Preise brö­ckeln. Und er weiß, dass San Filippo trotz der Inves­ti­tio­nen, die er zwi­schen­zeit­lich getä­tigt hat, noch immer ein rela­tiv unbe­kann­tes Label in Mon­tal­cino ist. „Es geht eben lang­sam, aber wer gute Lagen hat und hart arbei­tet, schafft es.“


2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC
87
2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC - San Filippo San Filippo
2008

Rotwein
saftig, zupackend, Noten von Kirschen und Unterholz, sauber und präzise gearbeitet: Sangiovese pur
2008 „Staffato“ Sant’Antimo Rosso DOC
87
2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC - San Filippo San Filippo
2008

Rotwein
dunkel, dicht, fruchtig-würzig mit gut feiner Vanillenote, perfekt ausbalanciert, warm und weich mit schmeichelnder Fruchtsüße
2005 Brunello di Montalcino „Le Lucere“ DOCG
-
2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC - San Filippo San Filippo
2005

Rotwein
schon offener, herzhafter, aber etwas magerer Wein, ohne Fehl und Tadel, aber auch ohne große Höhepunkte
2004 Brunello di Montalcino „Le Lucere“ DOCG
92
2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC - San Filippo San Filippo
2004

Rotwein
in der Nase Noten von Teer, Gewürznelken, Veilchen und Brombeer, am Gaumen seidig mit fein verschmolzenem Tannin: eleganter, klassischer Brunello
2004 Brunello di Montalcino Riserva DOCG
93
2008 Rosso di Montalcino „Lo Scorno“ DOC - San Filippo San Filippo
2004

Rotwein
reich, üppig, kompakt, mit sehnigem Tannin, das den Wein zusammenhält, große Aromentiefe, lange Lebensdauer, aber schon antrinkbar

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