Weinberge Amarone

Schwierige Geburt eines schweren Weins: Amarone D.O.C.G.

Einer der wich­tigsten Rotweine Italiens ist nach 15jährigen Ausein­an­der­set­zungen endlich in die höchste Quali­täts­wein­ka­te­gorie D.O.C.G. aufge­nommen worden: der Amarone. Das neue Produk­ti­ons­statut wird die Qualität des Weins weder verbes­sern noch verschlech­tern. Es schreibt aber die Auswei­tung der Anbau­zone bis in die Ebene fest und stellt sicher, dass auch in Extrem­jahren wie 2003 Amarone abge­füllt werden kann.

Einer der wich­tigsten Rotweine Italiens ist nach 15jährigen Ausein­an­der­set­zungen endlich in die höchste Quali­täts­wein­ka­te­gorie D.O.C.G. aufge­nommen worden: der Amarone. Das neue Produk­ti­ons­statut wird die Qualität des Weins weder verbes­sern noch verschlech­tern. Es schreibt aber die Auswei­tung der Anbau­zone bis in die Ebene fest und stellt sicher, dass auch in Extrem­jahren wie 2003 Amarone abge­füllt werden kann.

Im Mai tritt mit der Veröf­fent­li­chung im italie­ni­schen Geset­zes­blatt das neue Produk­ti­ons­statut des Amarone della Valpo­li­cella in Kraft. Dieser Wein, der aus Trauben gekel­tert wird, die auf Stroh­matten oder in Klima­kam­mern getrocknet werden, erhält dann die kontrol­lierte und garan­tierte Ursprungs­be­zeich­nung (D.O.C.G.). Glei­ches gilt für den süßen Recioto della Valpo­li­cella, während mit dem Ripasso eine neue D.O.C. entsteht. Der einfache Valpo­li­cella behält seine D.O.C.

Amarone auch aus der Po-Ebene

Fast 15 Jahre lang hatten die Produ­zenten um die neue D.O.C.G. gestritten. Die in Verona tradi­tio­nell starke Wein­in­dus­trie wollte unbe­dingt die Auswei­tung des Anbau­ge­biets in die Ebene fest­schreiben – also sicher stellen, dass der Amarone nicht nur in der Hügel­zone erzeugt werden darf, sondern seine Trauben auch aus der Ebene kommen dürfen.

Zwar war die Ebene auch in der Vergan­gen­heit als Amarone-Anbaugebiet zuge­lassen. Doch durften nur maximal 70 Prozent der Trauben eines Wein­bergs für die Herstel­lung des Amarone verwendet werden. Jetzt sind es 65 Prozent. Aus den rest­li­chen 35 Prozent muß einfa­cher Valpo­li­cella oder Ripasso produ­ziert werden. Bei letz­terem Wein wird der junge Valpo­li­cella auf den Schalen des Amarone nach­ver­goren, so daß ein kräf­ti­gerer, komple­xerer Valpo­li­cella entsteht. Dieses Verfahren heißt tradi­tio­nell Ripasso, eine Bezeich­nung, die die Kellerei Masi als Trade­mark für ihren Wein Campo­fiorin reser­viert hatte. Auch hier waren jahre­lange Debatten nötig, um die Bezeich­nung für alle frei­zu­geben.

Gigantischer Anstieg der Amarone-Produktion

Der Amarone ist histo­risch ein Wein der classico-Zone, die ledig­lich das Hügel­land umfasst. Das heißt: die Täler von Fumane, Marano, Negrar und Pede­monte sowie das Valpan­tena. Nur dort lassen sich boden­be­dingt jene Quali­täten erzielen, die für einen anspruchs­vollen Wein nötig sind. Doch histo­ri­sche Güter wie Masi, Tede­schi, Alle­grini und andere fami­li­en­geführte Betriebe konnten am Ende nicht durch­setzen, die Amarone-Produktion auf das Hügel­land zu beschränken.

Die Erfolge des Amarone auf den inter­na­tio­nalen Märkten hatten längst dazu geführt, dass die Wein­in­dus­trie, die in Verona tradi­tio­nell stark ist, Trauben für den Amarone auch aus den flachen, zur Po-Ebene abfal­lenden Gebieten zukauft. Nur so war es möglich, dass die Amarone-Produktion von 1,5 Millionen Liter in 1997 auf 10 Millionen Liter in 2007 gestiegen ist. Dieses Rad ließ sich nicht mehr zurück­drehen.

Der Amarone wird süßer

Kompli­ziert und im Resultat wenig nach­voll­ziehbar sind die Rege­lungen für den Rest­zu­cker­ge­halt. War es bisher so, dass bei einem Amarone mit 14 Vol.% Alkohol maximal 11,6 Gramm Rest­zu­cker zulässig waren, so steigt der zuläs­sige Rest­zu­cker­ge­halt jetzt mit jeden 0,1 Vol.% mehr auch um 0,1 Gramm. Ein Amarone mit 16 Vol.% kann also über 13 Gramm Rest­süße aufweisen – der Unter­schied zum Recioto, dem Dessert­wein, wird also geringer.

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